Anwendung

Cannabis

Einnahmearten

Applikation von Cannabis-Medizin

Es gibt mehrere Möglichkeiten cannabishaltige Medizin einzunehmen. Bei der Anwendung von Cannabisblüten- und extrakt ist die Inhalation mittels elektrischer Verdampfgeräte (Vaporisatoren) im pharmazeutisch-medizinischen Sinne besonders empfehlenswert. Grund: Studien belegen bei geübten Patienten eine THC-Verfügbarkeit bis zu 40 % im Dampf. Während bei einer oralen Einnahme die pharmakologische Wirkung bei einer nicht optimierten Zubereitung bzw. Anwendung nur eine Verfügbarkeit von 15 % ergibt. Voraussetzung für die Wirkfähigkeit der Cannabinoide der Pflanzenarzneien ist die Decarboxilierung. Denn Δ9-THC liegt beispielsweise im rohen Cannabis nur in Verbindung mit einem Carbonsäureanteil vor (THC-A | „A“ für Acid – Säure). Durch die Erhitzung des Arzneihanfes wird das Carbonsäuremolekül vom THC abgespalten und in CO2 Gas gewandelt. Das Cannabinoid ist nun Wirkaktiv.

Siedepunkt Cannabinoide Effekt
Inhalation

Inhalieren von Cannabis flos, Harz oder Konzentraten mittels Vaporisierung oder Rauchen. Wirkeintritt: nach 2 -8 Minuten. Wirkdauer: 2 - 3 Stunden.

Oral

Einnahme von Rezepturen, Tinkturen und Ölen in Form von Tee oder Kapseln. Wirkeintritt: nach 30 Minuten - 2 Stunden. Wirkdauer: 6 - 8 Stunden.

Sublingual

Bukkale oder sublinguale Einnahme in Form von Lutschtabletten, Lutschern und Spray. Wirkeintritt: nach 15 Minuten. Wirkdauer: 6 - 8 Stunden.

Tee als alternative Einnahmemethode von Cannabis flos

Bei der Verarbeitung von Cannabisblüten zu Tee sollte für eine optimierte Bioverfügbarkeit der Cannabioide zuvor die Decarboxilierung der Pflanze im Backofen erfolgen. Wahlweise 10 Minuten bei 140° C oder 30 Minuten bei 120° C. Auch im fest verschlossenen Kochbeutel können Cannabisblüten bei 100° C und 90 Minuten Kochzeit decarboxiliert  werden. Zusätzlich unterstützt die Zugabe von Fett, z.B. in Form von Sahne, Butter oder Öl, die orale Aufnahme einiger Cannabioiden wie THC. Für die Teezubereitung empfiehlt sich eine Anfangsdosierung von 0,5 g Droge zu 0,5 l Wasser. Dabei muss der Ansatz mindestens 15 Minuten abgedeckt sieden. Der Tee kann in einer Thermoskanne aufbewahrt werden. Es liegen für „Cannabisblüten zur Teezubereitung“ zwei Rezepturvorschriften des DAC/NRF vor (NRF 22.14 und 22.15). Das Verbacken von Cannabis flos in Keksen und anderen Edibles ist laut BfArM möglich. Hierbei kann die genaue Dosierung leider nicht reproduziert werden. Daher kann diese Einnahmemethode aus Sicht der Arzneimittelsicherheit nicht empfohlen werden. Ebenso wenig kommt das Rauchen von medizinischem Hanf infrage. Von einer Inhalation in Form von einem Joint unter der Zugabe von Tabak kann wegen der gesundheitsschädigenden Wirkung der beigemischten Stoffe nur dringend abgeraten werden.

Quelle: Storz & Bickel GmbH.

Cannabis Inhalation durch Verdampfung

Für die Inhalation mittels Verdampfer stehen verschieden Vaporistoren zur Verfügung. Auf dem Deutschen Markt erhältlich sind zur Zeit zwei Geräte der Storz & Bickel GmbH verfügbar. Der Volcano Medic ist ein stationärer und der Mighty Medic ein transportabler Vaporizer. Die Kosten eines Verdampfers werden bei einer vorliegenden Genehmigung der Cannabis-Therapie durch die Krankenkasse einem vorhandenem Hilfsmittel-Rezept von allen großen Krankenkassen getragen (VOLCANO MEDIC Verdampfungssystem hat die PZN: 12955483  und die PPN: 111295548322 und MIGHTY MEDIC hat die PZN: 12955514 und die PPN: 111295551469). Genutzt werden können als Ausgangsstoffe in den handelsüblichen Vaporisatoren in Alkohol gelöstes, alkoholischer Cannabisextrakt sowie zerkleinerte oder granulierte Cannabisblüten. Der Verdampfer erhitzt Cannabisblüten auf 210° C, wodurch die Cannabinoide decarboxiliert werden und als Aerosol von den Lungenbläschen aufgenommen werden können. Genau Anwendungshinweise des Kräuterverdampfers stehen in der nebenstehenden Gebrauchsanweisung. Zu beachten ist, dass die Dosis, der Wirkstoffgehalt (THC-CBD Anteil) der Cannabisarznei sowie die Verdampfungstemparatur und bei Cannabis flos der Zerkleinerungsgrad die Menge der inhalierbaren Cannabinoide bestimmt.

Vorbereitung der Blüten in der Apotheke

Das DAC/NRF stellt zwei Rezepturen für „Cannabisblüten zur Inhalation nach Verdampfung“ (NRF 22.12 und 22.13) bereit. Grundsätzlich sollten die Blüten in der Apotheke für die medizinische Anwendung vorbereitet werden. Sie werden gemahlen und gesiebt und anschließend mit einer Dosierhilfe oder vorportioniert an den Patienten abgegeben. Die Dosierung von Cannabis ist individuell. Für eine Einnahme mit einem Vaporizer liegt der Dosierungsrichtwert bei 100 mg Cannabisblüten pro Inhalation. Eine unzerkleinerte Abgabe der Blüten seitens der Apotheke ist nur möglich, wenn dies schriftlich in der ärztlichen Gebrauchsanweisung festgelegt ist. Dies kann bei Patienten der Fall sein, die vor dem Erlass des Cannabis-Gesetzes im Besitz einer Ausnahmeerlaubnis waren. Sie sind bereits an ihre individuelle Dosierung und Einnahme der Cannbisstoffe gewöhnt.

Cannabis Fertigarzneimittel in der Anwendung

Die Aufnahme der Fertigarzneimittel Sativex®, Canemes® und Dronabinol erfolgt oral bzw. bukkal. Für die genaue Einnahmeform gibt es Fachinformationen zu jedem Fertigarzneimittel. Das Mundspray Sativex® entfaltet über die Mundschleimhaut seine Wirkung. Canames® wird in Kapselform eingenommen. Sein Wirkstoff Nabilon wird über den Darm absorbiert. Dronabinol ist als ölige Tropfen-Zubereitung, ethanolische Lösung oder in Kapselform einzunehmen. Für alle drei Dronabinol- Varianten gibt es eine NRF Rezepturvorschrift (Öl NRF 22.8, Lösung NRF 22.16 und Kapseln NRF 22.7.).