Übersicht Abstracts Epilepsie

#IndikationThemaAutorTitelJournalZusammenfassungStudiendesignAnzahl Patienten
1.       EpilepsiePädiatrie, Epilepsie, SpastikenLorenz 2004On the application of cannabis in paediatrics and epileptologyNeuro Endocrinol Lett. 2004 Feb-Apr, 25(1-2), S. 40-4„Anwendung von Cannabis in der Pädiatrie und Epileptologie“   Ein Anfangsbericht über die therapeutische Applikation von THC (Dronabinol, Marinol) bei 8 Kindern bzw. Erwachsenen, welche unter neurodegenerativen Krankheiten, Mitochondriopathie, posthypoxischem Zustand, Epilepsie oder posttraumatischen Reaktionen litten liegt vor. THC bewirkte reduzierte Spastizität, verbesserte Dystonie, gesteigerte Initiative (bei niedriger Dosis), vermehrtes Interesse an der Umgebung und war antikonvulsiv. Die Dosierungen rangierten von 0,04 bis 0,12 mg/kg/Tag. Die Verabreichung erfolgte als orale ölige Lösung bei 7 Patienten und via perkutane Gastroenterostomie bei einem Patienten. Bei höheren Dosen wurden Disinhibition und erhöhte Ruhelosigkeit festgestellt. Einige Patienten unterbrachen die Behandlung, was jedoch bei keiner dieser Personen zu Problemen führte. Die Möglichkeit, dass THC-induzierte Effekte auf Ionenkanäle und Transmitter dessen therapeutische Aktivität bei Epilepsie erklären könnten, wird diskutiert.Fallbericht8
2.       CBD, EpilepsieEpilepsie, Lennox-Gastaut-Syndrom, atonische AnfälleThiele et al. 2018Cannabidiol in patients with seizures associated with Lennox-Gastaut syndrome (GWPCARE4): a randomised, double-blind, placebo-controlled phase 3 trial    Lancet. 2018 Mar 17;391(10125):1085-1096. doi: 10.1016/S0140-6736(18)30136-3. Epub 2018 Jan  „CBD bei Patienten mit Anfällen im Zusammenhang mit dem Lennox-Gastaut-Syndrom (GWPCARE4) – randomisierte, doppel-blinde, Placebo-kontrollierte Phase-III Studie“   Bisher haben keine kontrollierten Studien die Anwendung von CBD bei Patienten mit Lennox-Gastaut-Syndrom assoziierten Anfällen untersucht. Im Rahmen dieser Studie untersuchten 24 klinische Einrichtungen in den USA, Niederlanden und Polen die Wirksamkeit von CBD als Add-on bei atonischen Anfällen von Patienten mit Therapie-resistentem Lennox-Gastaut-Syndrom. Ausgewählte Patienten (2-55 Jahre) hatten das Lennox-Gastaut-Syndrom einschließlich langsamer Slow-Wave-Komplexe im EEG, Nachweis von mehr als einem Typ generalisierter Anfälle für mindestens 6 Monate, mindestens zwei atonsiche Anfälle pro Woche während der 4-wöchigen Baseline-Periode und sprachen nicht auf die Therapie mit zwei oder mehr verschiedenen Medikamenten an. Die Patienten erhielten randomisiert orales CBD in einer Dosierung von 20 mg/kg/Tag oder ein entsprechendes Placebo für eine Gesamtdauer von 14 Wochen. Primärer Endpunkt war der prozentuale Änderung der monatlichen Frequenz atonischer Anfälle zwischen während der Behandlungsperiode im Vergleich zur Baseline. Von 171 Patienten erhielten 86 CBD und 85 ein Placebo. 14 Patienten der CBD-Gruppe und ein Patient der Placebo-Gruppe brachen die Behandlung ab. Die mittlere prozentuale Reduktion der monatlichen atonischen Anfälle betrug 43∙9% in der CBD-Gruppe und 21∙8% in der Placebo-Gruppe. Nebenwirkungen traten bei 86% der Patienten der CBD-Gruppe und bei 69% der Patienten der Placebo-Gruppe auf; die meisten waren mild oder moderat. Am häufigsten traten Diarhhoe, Somnolenz, Fieber, verminderter Appetit und Erbrechen auf. 14% der CBD-Gruppe und 1% der Placebo-Gruppe brachen das Experiment aufgrund von Nebenwirkungen ab. Add-on CBD ist wirksam bei der Behandlung von Patienten mit atonischen Anfällen assoziiert mit dem Lennox-Gastaut-Syndrom und wird allgemein gut toleriert. Die Langzeit-Wirksamkeit wird aktuell in einer erweiterten Open-Label-Studie untersucht.   DOI: 10.1016/S0140-6736(18)30136-3.  Randomisierte, doppel-blinde, Placebo-kontrollierte Phase-III Studie171
3.       EpilepsieLennox Gastaut SyndromDevinsky et al. 2018Effect of Cannabidiol on Drop Seizures in the Lennox-Gastaut SyndromeThe New England journal of medicine 378 (20), S. 1888–1897. DOI: 10.1056/NEJMoa1714631.„Der Effekt von Cannabidiol auf Krampfanfälle mit Sturz beim Lennox Gastaut Syndrom“   In einer internationalen, multizentrischen, randomisierten, doppelblinden, Placebo kontrollierten Studie erhielten Patienten mit Lennox Gastaut Syndrom (Alter zwischen 2 und 55 Jahren), mit mehr als einem Krampfanfall mit Sturz pro Woche, Placebo oder Cannabidiol täglich über einen Zeitraum von 14 Wochen. Eingeschlossen wurden 225 Patienten, 76 erhielten 20 und 73 10mg Cannabidiol pro kg Körpergwicht und 76 Placebo. Die Anzahl der Krampfanfälle mit Sturz lag zu Beginn im Median über alle Gruppen bei 85, die Reduktion während der Behandlungsperiode belief sich in der 20mg CBD Gruppe auf 41,9% und in der 10mg CBD Gruppe auf 37,2% und in der Placebo Gruppe auf 17,2% (p=0,005 20mg CBD vs Placebo; p=0,002 10mg CBD vs Placebo). Die häufigste Nebenwirkung war Müdigkeit, verringerter Appetit und Diarrhoe und das besonders in der Gruppe mit 20mg CBD. Sechs Patienten der 20mg CBD Gruppe und einer der 10mg CBD Gruppe beendeten die Studie vorzeitig. Bei 14 Patienten, die CBD erhielten, zeigten sich erhöhte Werte der Leber Aminotransferasen. CBD reduzierte die Anzahl der Krampfanfälle mit Sturz und verursachte Nebenwirkungen, u.a. eine Erhöhung der Transaminasen.  Internationale, multizentrische, randomisierte, doppelblinde, Placebo kontrollierte Studie226
4.       EpilepsieEpilepsie, Dravet SyndromDevinsky et al. 2018Randomized, dose-ranging safety trial of cannabidiol in Dravet syndromeNeurology 90 (14), e1204-e1211. DOI: 10.1212/WNL.0000000000005254„Eine randomisierte, Dosierungs- und Sicherheitsstudie von CBD beim Dravet Syndrom“   Es handelt sich um eine doppelblinde Studie mit einer vierwöchigen Baseline und drei Wochen Behandlung inkl. Titration, sowie zehn Tagen Ausschleichen und vier Wochen Nachkontrolle. 34 Patienten im Alter zwischen vier und zehn Jahren wurden 4:1 randomisiert zu CBD mit 10, 8 und 9 Patienten mit 5, 10 oder 20mg/kg/d oder 7 Patienten mit zweimal täglich Placebo. Absolventen der Studie konnten in einer open label Verlängerung teilnehmen. Zahlreiche Blutproben wurden am ersten Tag und am Ende der Behandlung gewonnen zur pharmakokinetischen Bestimmung von CBD und seinen Metaboliten 6-OH-CBD, 7-OH-CBD, and 7-COOH-CBD, sowie der antiepileptischen Medikation (Clobazam und der Metabolit N-desmethylclobazam [N-CLB], Valproate, Levetiracetam, Topiramate und Stiripentol). Zur Beurteilung der Sicherheit erfolgten laborchemische Tests, körperliche Untersuchungen, ECGs, die Bestimmung der Vitalparameter, Nebenwirkungen, Anfallsfrequenz und Suizidalität. 32 Patienten (94%) komplettierten die Behandlung. Die Verabreichung von CBD und seinen Metaboliten war proportional zur Dosis (AUC 0-t). CBD hatte keinen Einfluss auf die antiepileptische Medikation, abgesehen von einem Anstieg von N-CLB (jedoch nicht bei Patienten mit Stiripentol). Die häufigste Nebenwirkung von CBD war Pyrexie (Fieber), Somnolenz, verminderter Appetit, Sedierung, Erbrechen, Ataxie und abnormales Verhalten. Sechs Patienten mit CBD und Valproat entwickelten erhöhte Transaminasen, aber keiner davon erfüllte die Kriterien eines medikamenteninduzierten Leberschadens und alle erholten sich. Weitere klinisch relevante Sicherheitssignale wurden nicht beobachtet. Die Exposition mit CBD und seinen Metaboliten steigerte sich proportional zur Dosis. Eine Interaktion zwischen N-CLB und CBD wurde beobachtet, die wahrscheinlich zusammenhängt mit der Inhibiton von CYP450 Subtype 2c19 durch CBD. Im Vergleich zu Placebo führte CBD zu mehr Nebenwirkungen, wurde aber insgesamt gut toleriert. Die Studie wurde an 12 Zentren in den USA und UK durchgeführt, koordiniert durch das NYU Comprehensive Epilepsy Center.   Neurology 90 (14), e1204-e1211. DOI: 10.1212/WNL.0000000000005254.Randomisierte, doppelblinde Studie34
5.       EpilepsieEpilepsie, Status EpileptikusRajaraman et al. 2018Successful use of pure cannabidiol for the treatment of super-refractory status epilepticusEpilepsy Behav Case Rep. 2018 Jul 17;10, S. 141-144. doi: 10.1016/j.ebcr.2018.07.004„Erfolgreicher Einsatz puren CBD’s bei der Behandlung eines super-refraktären Status Epileptikus“   Hierbei handelt es sich um den Fallbericht eines Kindes mit seit langem bestehendem, plötzlich auftretendem super-refraktärem Status Epileptikus (SRSE), welcher unter Exposition mit puren CBD’s vollständig aufgelöst werden konnte. Der SRSE entwickelte sich vermutlich im Rahmen einer Encephalitis auf Basis einer zuvor bestehenden, gut-kontrollierten Epilepsie. Dieses Paper erörtert, welche Reaktion spezifisch durch das CBD hervorgerufen worden sein könnte und berücksichtigt hierbei zahlreiche mögliche drug-drug-Interaktionen. Basierend auf diesem Fall, sollte CBD als unterstützende Therapie bei SRSE in Betracht gezogen werden.   Epilepsy Behav Case Rep. 2018 Jul 17;10, S. 141-144. doi: 10.1016/j.ebcr.2018.07.004Fallbericht 
6.       EpilepsieCBD, Epilepsie, Antiepileptika, InteraktionenGaston et la. 2017Interactions between cannabidiol and commonly used antiepileptic drugsEpilepsia. 2017 Sep;58(9), S. 1586-1592. doi: 10.1111/epi.13852„Interaktion zwischen CBD und häufig genutzten antiepileptischen Medikamenten“     Diese open-label Sicherheits-Studie untersuchte die möglichen pharmakokinetischen Interationen zwischen CBD (Epidiolex) und häufig genutzten Antiepileptika (AEDs). Zur Identifizierung dieser Interaktionen wurden die Serum-Level der AED’s überwacht. 39 Erwachsene und 42 Kinder erhielten eine initiale Dosis von 5 mg/kg/Tag, welche zweiwöchentlich um 5 mg/kg/Tag bis zu einem Maximum von 50 mg/kg/Tag erhöht wurde. Die AED-Spiegel wurden vor Beginn der CBD-Therapie und während der meisten Patientenbesuche gemessen. Kam es zu klinischen Symptomen oder Labor-Ergebnissen, die in Zusammenhang mit einer möglichen Interaktion standen, so wurden die AED-Dosen entsprechend angepasst. AED’s mit Interaktionen wurden hinsichtlich der mittleren Änderungen der Serum-Level über einen definierten Zeitraum untersucht. Subanalysen determinierten, inwieweit die Frequenz von Sedation in Bezug zu den mittleren Serum-N-Desmethylclobazam-Spiegeln stand und ob sich AST- und ALT-Spiegel bei Patienten mit Valproat-Einnahme von solchen bei Personen ohne Valproat-Einnahme unterschieden. Mit steigender CBD-Dosis kam es kam es zu einem Anstieg der Topiramat-, Rufinamid- und N-Desmethylclobazam-Spiegel und einer Reduktion der Clobazam-Spiegel (alle p < 0,01). Bei Erwachsenen kam es mit steigenden CBD-Dosen auch zum Anstieg von Zonisamid (p = 0,02) und Eslicarbazepine (p = 0,04). Mit Ausnahme von Clobazam und Desmethylclobazam lagen alle verzeichneten Veränderungen der Plasmaspiegel innerhalb der akzeptablen therapeutischen Breite. Zu einer Sedation kam es häufiger bei Erwachsenen mit höheren N-Desmethylclobazam-Spiegeln (p = 0,02). Des Weiteren waren die AST-/ALT-Spiegel bei Patienten mit begleitender Valproat-Einnahme signifikant höher (p < 0,01).   Epilepsia. 2017 Sep;58(9), S. 1586-1592. doi: 10.1111/epi.13852Open-label Sicherheits-Studie39 Erwachsene und 42 Kinder
7.       EpilepsieClobazam, Epilepsie, PädiatrieWheless et al. 2019Pharmacokinetics and Tolerability of Multiple Doses of Pharmaceutical-Grade Synthetic Cannabidiol in Pediatric Patients with Treatment-Resistant EpilepsyCNS Drugs. 2019 Jun;33(6), S. 593-604. doi: 10.1007/s40263-019-00624-4„Pharmakokinetik und Verträglichkeit von multiplen Dosen synthetischen CBD’s bei   pädiatrischen Patienten mit behandlungsresistenter Epilepsie“   Diese Studie untersuchte die Pharmakokinetik und Sicherheit eines synthetischen CBD’s pharmazeutischer Qualität (orale Lösung) bei pädiatrischen Patienten mit behandlungsresistenter Epilepsie. Im Rahmen dieser Open-Label-Studie erhielten 61 pädiatrische Patienten (durchschnittliches Alter von 7,6 Jahren) CBD (orale Lösung) als Zusatz zu dem bereits bestehenden Antiepileptika-Regime. Die Patienten erhielten am ersten Tag eine einzelne Dosis (5,10 oder 20 mg/kg) und an Tag 4-10 jeweils zwei Dosen/Tag (insgesamt 10, 20 oder 40 mg/kg/Tag). Blutproben wurden am ersten Tag vor der ersten Applikation und bis zu 72h danach und am 10. Tag vor der Applikation und bis zu 24h danach entnommen. Weitere Blutproben wurden während der Tage 6,8, und 9 in Abhängigkeit von der Altersgruppe gesammelt. Es bestand der Trend einer vermehrten CBD-Belastung bei erhöhter CBD-Dosis, insgesamt variierte die Belastung jedoch. Nach ca. 2-6 Tagen mit zwei täglichen Dosen stellte sich ein Steady-State ein. Zu einer Medikamenteninteraktion kam es bei CBD und Clobazam: Gleichzeitige Administration von Clobazam mit 40 mg/kg/Tag CBD führte zu einer 2,5-fachen Erhöhung der durchschnittlichen CBD-Belastung, und einer 1,7-2,2-fachen Erhöhung der Plasma-Clobazam-Konzentration (im Vergleich zu 10 mg/kg/Tag und 20 mg/kg/Tag CBD). Bei Patienten, die 40 mg/kg/Tag CBD und Clobazam einnahmen, waren die durchschnittlichen Norclobazam-Plasmawerte 1,3-1,9-fach höher als bei jenen, die 10 oder 20 mg/kg/Tag CBD erhielten. Alle Dosierungen wurden allgemein gut vertragen; die häufigsten Nebenwirkungen waren Somnolenz (21,3%), Anämie (18%) und Diarrhoe (16,4%). Behandlung mit einer oralen CBD-Lösung führte in einer Gruppe pädiatrischer Patienten mit behandlungsresistenter Epilepsie zu einer inter-individuellen systemischen CBD-Belastung, die bei Mehrfachdosierung jedoch sank. Kurzzeitige Administration war allgemein sicher und wurde gut vertragen.   CNS Drugs. 2019 Jun;33(6), S. 593-604. doi: 10.1007/s40263-019-00624-4Open-Label-Studie61
8.       Epilepsiefokaler EpilepsieHegde et al. 2012Seizure exacerbation in two patients with focal epilepsy following marijuana cessationEpilepsy Behav. 2012 Dec, 25(4), S. 563-6. doi: 10.1016/j.yebeh.2012.09.024„Verschlimmerung von Anfällen bei zwei Patienten mit fokaler Epilepsie nach Einstellen der Cannabis-Einnahme“   Während Tiermodelle antikonvulsive Eigenschaften von exogenen Cannabinoiden erwarten lassen, besteht nur wenig Nachweis für die Wirksamkeit dieser Substanzen bei Menschen. Wir berichten von zwei Patienten, deren fokale Epilepsie durch regelmäßige ambulante Einnahme von Cannabis nahezu vollständig kontrolliert werden konnte. Beide stellten den Marihuana-Konsum bei Eintritt in unsere Epilepsie- Monitoring-Einheit ein und entwickelten einen dramatischen Anstieg der Anfallsfrequenz, dokumentiert via. Video-EEG-Telemetrie. Die Anfälle traten in Abwesenheit anderer provokativer Prozeduren, Wechsel der antikonvulsiven Medikation eingeschlossen, auf. Wir fassen diese Fälle zusammen und diskutieren die Mechanismen der potentiellen antikonvulsiven Eigenschaften von Cannabis, basierend auf einer Literatur-Review.   Epilepsy Behav. 2012 Dec, 25(4), S. 563-6. doi: 10.1016/j.yebeh.2012.09.024Fallbericht2
9.     Epilepsie  Cannabis-Missbrauch, epileptische Ereignisse  Patel et al. 2019Cannabis Use Disorder and Epilepsy: A Cross-National Analysis of 657 072 Hospitalized PatientsAm J Addict. 2019 Sep;28(5):353-360. doi: 10.1111/ajad.12898. Epub 2019 May 24  „Eine randomisierte, doppelblinde, placebo-kontrollierte Pilot Studie mit Parallelgruppen von CBD reichhaltigen pf„Der Missbrauch von Cannabis und Epilepsie: eine nationale Auswertung bei 657072 stationären Patienten“   Neuere Untersuchungen scheinen zu belegen, dass der Konsum von Cannabis zu Cerebrovaskulären Ereignissen führen kann. Es wurde hier Zusammenhang von Cannabis-Missbrauch (CUD) und Hospitalisierung aufgrund von epileptischen Ereignissen untersucht. Im Rahmen dieser Studie wurden die Daten von 657072 stationär behandelten Patienten im Alter von 15 bis 54 Jahren mit der Diagnose einer Epilepsie über einen Zeitraum von vier Jahren betrachtet. Verglichen wurden ebenfalls die Patienten mit der Diagnose einer CUD nach ICD-9 und solchen ohne die Diagnose einer CUD. Es wurde der Zusammenhang zwischen CUD und Epilepsie untersucht. Bei Epilepsiepatienten zeigte sich eine Inzidenz von 5,77% für eine CUD, wobei die Patienten mit CUD eine dreifach erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine notfallmäßige Aufnahme in ein Krankenhaus hatten. Die Patienten mit CUD waren eher jünger und afroamerikanischer Herkunft. Der Missbrauch von Cannabis, Tabak und Alkohol erhöhte das Risiko einer stationären Aufnahme aufgrund epileptischer Ereignisse. Für den Missbrauch von Kokain, Amphetaminen und Opioiden hingegen zeigte sich eine geringere Wahrscheinlichkeit für Hospitalisierung. Die Autoren folgern aus den erhobenen Daten, dass, vor dem Hintergrund des steigendes Gebrauchs von medizinischem Cannabis und seinem Off-Label-Gebrauch bei Epilepsie, Patienten mit CUD eine um 56% erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Hospitalisierung aufgrund epileptischer Ereignisse aufweisen. Dieser Zusammenhang besteht ebenfalls nach Eliminierung von Störfaktoren wie z.B. weiteren Substanzmissbrauch.Datenanalyse6570
10.     Epilepsie  Epilepsie, psychogene nicht-epileptischen Anfälle  Massot-Tarrús et. al 2016A Marijuana use in adults admitted to a Canadian epilepsy monitoring unit.;Epilepsy Behav. 2016 Oct, 63, S. 73-78. doi: 10.1016/j.yebeh.2016.08.002  „Marihuananutzung durch Erwachsene einer kanadischen Epilepsie-Monitoring- Einheit“   Im Rahmen dieser Studie wurde mit Hilfe eines anonymen Fragebogens die Prävalenz der Marihuananutzung und die wahrgenommenen Wirkungen auf Patienten mit und ohne Epilepsie über einen Zeitraum von 14 Monaten bestimmt. Patienten mit kognitiven Einschränkungen, welche nicht in der Lage waren die Fragen zu verstehen bzw. ihre Zustimmung hinsichtlich der Umfrage zu geben und Patienten mit Wiederaufnahme wurden nicht rekrutiert. Die Teilnehmer wurden in vier Gruppen unterteilt: Patienten mit epileptischen Anfällen, Patienten mit psychogenen nicht-epileptischen Anfällen (PNEA), Patienten mit epileptischen Anfällen und PNEA und Patienten mit anderen nichtepileptischen Erscheinungen. Teilnehmer mit ausschließlich epileptischen Anfällen wurden mit Patienten mit ausschließlich PNEA verglichen. Insgesamt nahmen 292 Patienten mit einem durchschnittlichen Alter von 35 Jahren (Intervall: 27-49 Jahre); 57,2% weibliche Patienten. Epilepsie wurde zu 65,1% dokumentiert, PNEA zu 21,9% und beide Anfallstypen zu 8,9%. Die mittlere Dauer der Anfalls-Erkrankung war bei Patienten mit Epilepsie verglichen mit Patienten mit PNEA länger (2[1-9] vs. 13 [5,7-25] Jahre; p<0,001) und die Anfallsfrequenz geringer (täglich oder wöchentlich bei 62,3% vs. 44,9%; p=0,03). Insgesamt war Marihuana bereits von 166 (57%) ausprobiert worden und wurde von 36,2% innerhalb des vorangegangenen Jahres genutzt: zu 57,1% von nur-Epilepsie-Patienten und 64,1% von nur-PNEA-Patienten, wobei die tägliche Nutzung eher unter Epilepsie-Patienten vorkam (59% vs. 33,3%). Die geschätzte tägliche Dosis lag bei 1g/Tag. Der Marihuanakonsum war mit dem Rauchen von Tabak verbunden, jedoch nicht mit Alkoholkonsum. 8 Patienten nutzten weitere Drogen. 84% der Epilepsiepatienten und 72,7% der PNEA-Patienten berichteten von einer Verbesserung der Anfälle. In beiden Gruppen kam es bei 84,9% bzw. 88% zu einer Stressminderung, bei 77,3% bzw. 88% zu einem verbesserten Schlaf und bei jeweils 32% und 28% zu einem verbessertem Gedächtnis/verbesserter Konzentration. Unter den Marihuana-Nutzern kam es zu einer Reduktion der Nebenwirkung der antiepileptischen Medikamente um 53,2%. Die wahrgenommenen Wirkung auf die epileptischen Anfälle korrelierte mit den Effekten auf Stress (r=0,35, p=0,004). Bei 30,7% kam es zu milden Nebenwirkungen infolge der Marihuana-Nutzung, welche jedoch unter anderem mögliche Anfälle bei 5 Patienten mit Epilepsie einschlossen. Patienten mit unkontrollierter Epilepsie und nichtepileptischen Erscheinungen wiesen eine höhere Rate der Marihuananutzung mit assoziierten Verbesserungen von Anfallskontrolle, Stress, Schlaf und Medikamenten-Nebenwirkungen auf.Kohortenstudie310