Übersicht Abstracts Kardiovaskuläre Erkrankungen

#IndikationThemaAutorTitelJournalZusammenfassungStudiendesignAnzahl Patienten
1.       Kardiovaskuläre ErkrankungenKardiovaskuläre Erkrankungen, kardiovaskuläre RisikofaktorenMeier et al. 2019Associations Between Cannabis Use and Cardiometabolic Risk Factors: A Longitudinal Study of MenPsychosom Med. 2019 Apr;81(3), S. 281-288. doi: 10.1097/PSY.0000000000000665„Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und kardiometabolischen Risikofaktoren – eine longitudinale Studie bei Männern“   Diese Studie untersuchte die longitudinalen Zusammenhänge zwischen Cannabiskonsum und den kardiometabolischen Risikofaktoren, welche den kardiovaskulären Erkrankungen zugrunde liegen. Bei den Teilnehmern handelte es sich um Männer des jüngsten Kohorts der „Pittsburgh Youth Study“ (N = 253), welche von ihrem 7. bis 32. Lebensjahr begleitet wurden. Im Alter von 12-20 Jahren und im Alter von ca. 26, 29 und 32 Jahren wurde die Frequenz der Cannabisnutzung jährlich bestimmt. Die Bestimmung der kardiometabolischen Risikofaktoren erfolgte mit ca. 32 Jahren während eines Laborbesuches und schlossen den BMI, Taille-Hüften-Verhältnis, High- und Low-Density Lipoprotein-Cholesterol, Triglyceride, Nüchternglucose, Insulinresistenz, Blutdruck, Interleukin 6 und C-reaktives Protein ein. Eine vermehrte Cannabisexposition stand in Zusammenhang mit einem relativ niedrigeren BMI (β = -0,31, p < 0,001), einem geringeren Taille-Hüfte-Verhältnis (β = -0,23; p = 0,002), einem besseren High- (β = 0,14; p = 0,036) und Low-Density Lipoprotein-Cholesterolwert (β = -0,15; p = 0,026), niedrigeren Triglyceridkonzentrationen (β = -0,17; p = 0,009); einem niedrigeren Nüchternglucosewert (β = -0,15; p < 0,001), einer niedrigeren Insulinresistenz (β = -0,21; p = 0,003), gesenktem systolischem (β = -0,22; p < 0,001) und diastolischem Blutdruck (β = -0,15; p = 0,028) und weniger Kriterien des metabolischen Syndroms (β = -0,27; p < 0,001). Mit Ausnahme des BMI lagen die durchschnittlichen Level der kardiometabolischen Risikofaktoren prinzipiell unter der Obergrenze für ein hohes Risiko. Auch nach einer Anpassung der Parameter an Tabaknutzung, sozioökonomischen Status in der Kindheit und Kindergesundheit blieben die Zusammenhänge zwischen Cannabisnutzung und kardiometabolischen Risikofaktoren bestehen, jedoch nicht nach Anpassung an den adulten BMI. Mediations-Tests suggerieren, dass der relativ niedrigere BMI von Cannabisnutzern deren niedrigeres Risiko für andere kardiometabolische Risikofaktoren erklären könnte. Die Cannabisnutzung ist mit einem niedrigeren BMI assoziiert, welcher wiederum das Risiko für andere kardiometabolische Risikofaktoren mindert.Longitudinale Studie253
2.       BlutdruckKardiovaskuläre Effekte, Blutdrucks, StressJadoonet al. 2017A single dose of cannabidiol reduces blood pressure in healthy volunteers in a randomized crossover studyJCI insight 2 (12). DOI: 10.1172/jci.insight.93760.„Einzeldosis CBD reduziert Blutdruck in gesunden Probanden in einer randomisierten, crossover Studie.“   Präklinische Studie zeigen, dass CBD zahlreiche kardiovaskuläre Vorteile bietet, inklusive eines reduzierten Blutdrucks in Folge einer Stressreaktion. 90 gesunden, männlichen Probanden wurden 600 mg CBD oder Placebo im Rahmen einer randomisierten, doppelblinden, placebo-kontrollierten crossover Studie verabreicht. Kardiovaskuläre Parameter wurden mittels Finometer (beat to beat RR monitor) und Laser Doppler (Mikrozirkulation) überwacht. CBD reduzierte den systolischen Blutdruck in Ruhe um 6mmHg (p<0,05) und das Schlagvolumen um 8ml (p<0,05) bei gesteigerter Herzrate und gleichbleibendem kardialen Ausstoß. Probanden, die CBD einnahmen, hatten einen geringen Blutdruck (-5mmHg, p<0,05, besonders vor und nach Stress), eine erhöhte Herzrate (+10 bpm, p<0,01), ein verringertes Schlagvolumen (-13ml, p<0,01) und eine abgeschwächte Antwort im Durchblutungstest der Haut am Unterarm nach isometrischer Belastung. Nach Kältestress zeigten Probanden mit CBD einen um 6mmHg reduzierten Blutdruck (p<0,01) und einer gesteigerte Herzrate um 7 bpm (p<0,05) mit geringerem peripheren Widerstand. Die einmalige Verabreichung von CBD führt zu einer Reduktion des Blutdrucks in Ruhe und nach Belastung mit assoziiertem Anstieg der Herzrate. Diese hämodynamischen Veränderungen sollten bedacht werden in der Anwendung von CBD.  Randomisierte, doppelblinden, Placebo-kontrollierte crossover Studie90
3.       Kardiovaskuläre Erkrankungenkardiovaskuläre Erkrankungen, Schlaganfall, Herzerkrankungen, MortalitätReis et al. 2017Cumulative Lifetime Marijuana Use and Incident Cardiovascular Disease in Middle Age: The Coronary Artery Risk Development in Young Adults (CARDIA) Study  Am J Public Health. 2017 Apr;107(4), S. 601-606. doi: 10.2105/AJPH.2017.303654„Kumulative lebenslange Marihuananutzung und das Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen im mittleren Alter – Studie zur Risikoentwicklung der Koronararterie bei jungen Erwachsenen (CARDIA)“   Ziel dieser Studie war es, die Wirkung von Marihuana auf die Entwicklung kardiovaskulärer und zerebrovaskulärer Erkrankungen zu beurteilen. 5113 Patienten zwischen 18 und 30 Jahren (zu Studienbeginn) der CARDIA-Studie wurden für mehr als 25 Jahre begleitet. Mittels wiederholter Bewertungen im Rahmen 2- bis 5-jährlicher Untersuchungen wurde die kumulative Lebens-Exposition mit Cannabis geschätzt. Primärergebnis war das Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen (CVD) im Jahr 2013. 84% (n = 4286) berichteten von einer Vorgeschichte des Marihuanakonsums. Während durchschnittlich 26,9 Jahren (131.990 Personen/Jahr) konnte das Auftreten von 215 CVDs (einschließlich 62 Schlaganfälle oder transiente ischämischer Attacken, 104 Fälle koronarer Herzerkrankungen und 50 CVD-Tode) identifiziert werden. Im Vergleich konnte zwischen keiner Marihuana-Nutzung, kumulativer lebenslanger Nutzung, aktuellem Cannabiskonsum und dem Auftreten von CVD, Schlaganfällen oder transienten ischämischen Attacken, koronaren Herzerkrankungen und CVD-Mortalität kein Zusammenhang hergestellt werden. Eine Stratifizierung nach Alter, Geschlecht, Rasse bzw. Familien-Historie brachte keine Assoziation zwischen Marihuana und CVD hervor. Weder der kumulative lebenslange noch aktueller Cannabiskonsum stehen im Zusammenhang mit dem Auftreten von CVD im mittleren Alter. 5113
4.       Kardiovaskuläre ErkrankungenHerzinfarktJohnson-Sasso et al. 2018Marijuana use and short-term outcomes in patients hospitalized for acute myocardial infarctionPLoS One. 2018 Jul 11;13(7):e0199705. doi: 10.1371/journal.pone.0199705„Marihuananutzung und kurzfristige Ergebnisse bei Patienten mit akutem myokardialem Infarkt“   Diese Studie verglich die Ergebnisse von Krankenhauspatienten mit akuten myokardialen Infarkten (AMI) und berichtetem Marihuanakonsum mit jenen ohne berichteten Marihuanakonsum. Es wurde hypothetisiert, dass der Cannabiskonsum mit einem erhöhten Risiko des Auftretens von Nebenwirkungen bei AMI-Patienten assoziiert sein würde. E et al. 2018s wurden Krankenhausaufzeichnungen von 8 Staaten zwischen 1994 bis 2013 auf Patienten mit der Diagnose AMI überprüft und die klinischen Profile und Ergebnisse von entsprechenden Patienten mit Marihuanakonsum mit solchen ohne Cannabiskonsum verglichen. Als kurzfristige Ergebnisse wurden Nebenwirkungen, welche während des Krankenhausaufenthaltes auftraten, definiert; primäre Ergebnisse schlossen Tod, Einsatz einer intraaortalen Ballonpumpe (IAB), mechanische Ventilation, Herzstillstand und Schock ein. Insgesamt berichteten 3.854 von 1.273.897 AMI-Patienten einen Marihuanakonsum. Dieser Kohort war jünger als der Kohort ohne Marihuananutzung (47,2 vs. 57,2) und wies weniger Erkrankungen der Koronararterie auf als jener ohne Cannabiskonsum. Multivariable Analysen, welche Alter, Abstammung und geläufige kardiale Risikofaktoren einschlossen, konnten keinen Zusammenhang zwischen Marihuananutzung und den primären Ergebnissen (p = 0,53) feststellen, Marihuananutzer benötigten jedoch öfter eine mechanische Ventilation, (OR 0,79; p = 0,004). Interessanterweise bestand bei Cannabiskonsumenten jedoch eine geringere Wahrscheinlichkeit für Tod (OR 0,79; p = 0,016), Schock ( (OR 0,74; p = 0,001) oder die Notwendigkeit einer IAB, als bei den Nicht-Konsumenten. Diese Ergebnisse suggerieren, dass die Marihuananutzung, anders als hypothetisiert, nicht mit einem erhöhten Risiko für Kurzzeit-Nebenwirkungen infolge AMI assoziiert ist. Des Weiteren bestand ein Zusammenhang zwischen Marihuanakonsum und einer verminderten post-AMI Mortalität im Krankenhaus.Datenanalyse 
5.       DiabetesHDL-Cholesterol, Körpergewicht, AppetitJadoon et al. 2016Efficacy and Safety of Cannabidiol and Tetrahydrocannabivarin on Glycemic and Lipid Parameters in Patients With Type 2 Diabetes: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled, Parallel Group Pilot StudyDiabetes care 39 (10), S. 1777–1786. DOI: 10.2337/dc16-0650.„Wirksamkeit und Sicherheit von CBD und THCV auf glykämische und Fettstoffwechselparameter bei Patienten mit Typ 2 Diabetes: Eine randomisierte, doppelblinde, Placebo kontrollierte Pilotstudie“   Eine randomisierte, doppelblinde, Placebo kontrollierte Studie der Universität Nottingham (UK) untersuchte die Effekte von CBD und THCV bei 62 Patienten mit Typ 2 Diabetes, dazu wurden fünf Gruppen gebildet: CBD 100mg 2/d, THCV 5mg 2/d, 1:1 CBD und THCV 5mg:5mg 2/d, 20:1 CBD und THCV 100mg:5mg 2/d oder Placebo für 13 Wochen. Primärer Endpunkt war die Veränderung der HDL-Cholesterol Konzentration vom Ausgangspunkt. Sekundäre Endpunkte waren Veränderungen der glykämischen Kontrolle, Lipidprofile, Insulin Sensitivität, Körpergewicht, Lebertriglyceride, Verteilung des Fettgewebes, Appetit, Entzündungsmarker, Marker vaskulärer Funktion, Darmhormone, zirkulierende Endocannabinoide und Adipokin Konzentrationen, sowie Sicherheit und Tolerierbarkeit. Im Vergleich mit Placebo reduzierte THCV signifikant den Nüchtern Blutzucker (geschätzte Behandlungsdifferenz (ETD) = -1,2mmol/L; p<0,05) und verbesserte die Funktion der pankreatischen Betazellen (HOMA2 ETD=-44,51; p<0,01), Adiponektin (ETD = -5,9*10(6)pg/ml; p<0,01) und Apolipoprotein A (ETD=-6,02 umol/L; p<0,05), jedoch zeigte sich das Plasma HDL unverändert. Keine der Kombinationsbehandlung zeigte einen signifikanten Effekt. CBD und THCV wurden gut toleriert. THCV könnte einen neuen Wirkstoff in der glykämische Kontrolle bei Typ 2 Diabetes darstellen.Randomisierte, doppelblinde, Placebo kontrollierte Pilotstudie62
6.       andereInsulin, Insulinresistenz, AdipositasNgueta et al. 2019Lifetime marijuana use in relation to insulin resistance in lean, overweight, and obese U.S. adultsJ Diabetes. 2019 Jun 1. doi: 10.1111/1753-0407.12958Lebenslanger Marihuanakonsum im Verhältnis zu Insulinresistenz bei mageren, übergewichtigen und adipösen Erwachsen in den Vereinigten Staaten   Im Rahmen dieser Studie wurden Daten des „National Health and Nutrition Examination Survey“ (NHANES) von 2009-1016 abstrahiert. Die minimale Nutzungsdauer von Marihuana wurde mittels Dauer der regulären Exponierung und der Nutzungsfrequenz ermittelt. Um den Zusammenhang zwischen Marihuanakonsum und sowohl Nüchterninsulin als auch Insulinresistenz (Homöostase Modell Bestimmung, HOMA-IR) bei mageren, übergewichtigen und adipösen Individuen separat zu bestimmen, wurden generalisierte lineare Modelle eingesetzt. Von den 129.509 Erwachsenen im Alter von 18-59 Jahren waren 50,3% weiblich. Das durchschnittliche Insulin lag bei adipösen Cannabiskonsumenten (< 4 Nutzungen/Monat) bei 52% und somit niedriger als bei Personen, die nie Cannabis genutzt hatten. Ehemalige adipöse Konsumenten mit 8 Nutzungen/Monat, die ihren Konsum vor <12 Monate gestoppt hatten, wiesen durchschnittlich ein 47%ig niedrigeres Insulin auf. Bei Personen, deren letzter Konsum zu Beginn der Studie 12-119 Monate bzw. ≥ 120 Monate zurücklag, war das Insulin jeweils 36% niedriger. Marihuanakonsum ist mit einem niedrigerem Nüchterninsulin und verminderter HOMA-IR bei adipösen Erwachsenen assoziiert; dieser Zusammenhang besteht nicht bei nicht adipösen Personen. Ehemalige Konsumenten mit hoher Nutzungsrate wiesen signifikant niedrigere Insulinlevel auf, welche unabhängig von dem Zeitabstand zur letzten Nutzung konstant blieben.Datenanalyse