Nebenwirkungen

Cannabis

Patienten

Unerwünschte Wirkungen und Kontraindikationen

Medizinisches Cannabis wird allgemein langfristig sehr gut vertragen. Auftretende Nebenwirkungen sind meist akut und Dosierungsabhängig. Sie vergehen ohne eine Behandlung innerhalb von Stunden bis maximal innerhalb von drei Tagen. Kurzzeitige unerwünschte Wirkungen treten häufig zu Beginn einer Cannabis-Therapie, bei unregelmäßiger Einnahme, einer zu hohen Dosierung oder der Anwendung von Cannabis Sorten mit sehr hohem THC-Gehalt auf. Akute Nebenwirkungen betreffen laut Grotenhermen und Häußermann vor allem die Psyche und Psychomotorik sowie Herz und Kreislauf. Bei auftretenden Nebenwirkungen muss umgehend der Therapie begleitende Arzt konsultiert werden. Insbesondere bei unerwünschten psychischen Wirkungen wie Panik oder Paranoia sollte die Medikation bis zur ärztlichen Beratung abgesetzt werden.

Orientierungsstörungen, Verwirrtheit und reduzierte psychomotorische Leistungsfähigkeit
Durchfall oder Verstopfungen
Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen
Bluthochdruck und Herzrasen
Müdigkeit, Schlafstörungen und Benommenheit
Gleichgewichtsstörungen und Schwindel
Euphorie, Halluzinationen und Angst
Mundtrockenheit, reduzierter Tränenfluss und gesteigerter Appetit

Nebenwirkungen bei Langzeittherapie

Nach einer längeren Medikation mit Cannabis flos können Patienten eine Toleranz auf die Wirkung von THC entwickeln. Der Effekt auf die Psyche, die Psychomotorik und das Herz-Kreislaufsystem nehmen ab. Die Toleranzentwicklung ist individuell und kann bereits nach Tagen oder erst nach Wochen und Monaten auftreten. Unerwünschte Nebenwirkungen lassen nach. Bei einer moderaten THC-Medikamentierung innerhalb einer ärztlichen Cannabis-Therapie stellen Entzugsprobleme kein Problem dar. Toleranz und Entzugssymptome sind abhängig von de Dosis und der Dauer der Einnahme (Quelle: Grotenhermen, Häußermann, Milz: Cannabis, Arbeitshilfe für die Apotheke). Auftretende Entzugssymptome sind  etwa so stark wie bei Tabak. Die Einnahme von Cannabis kann bei Menschen mit einer Prädisposition für psychische Störungen zu einer schizophrenen Psychose führen. Bei einer therapeutischen Einnahme wurde die Nebenwirkung der sogenannten Cannabis-Psychose nur selten beobachtet.

Bekannte Kontraindikationen Cannabis flos

Laut BfArM sind keine wissenschaftlichen gesicherten Informationen über Kontraindikationen bei der Anwendung Cannabisblüten oder Cannabisextrakten bekannt. Als belegt gilt, dass eine dauerhafte Anwendung von Cannabis bei Jugendlichen irreversible Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung hat. Es besteht zudem ein höheres Risiko für psychotische Erkrankungen, Depressionen und Angststörungen. Länder wie Israel, Kanada und die Niederlande zählen Überempfindlichkeitsreaktionen auf einzelne Cannabinoide oder Bestandteile der Medizin, schwere Persönlichkeitsstörungen, Schizophrenie, psychotische Erkrankungen, Depression, bipolare Störungen, Suchtmissbrauch in der Vergangenheit, Leber-, Nieren- oder Lungenkrankheiten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Schwangerschaft, Stillzeit und Kinderwunsch bei Männern und Frauen zu Kontraindikationen. Eine genaue Nutzen-Risiko-Abwägung ist bei einer Cannabis-Verordnung daher immer erforderlich.

Kontradindikationen im Überblick
  • Überempfindlichkeit bzw. Allergien gegenüber einzelnen Inhaltsstoffe oder Cannabinoiden cannabishaltiger Medizin.
  • Psychotische Erkrankungen, schwere Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie.
Strenge Indikationsstellung bei
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Kindern und Jungendlichen
  • älteren Menschen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Suchterkrankungen
  • Kinderwunsch
  • Lungenkrankheiten
  • Nierenkrankheiten
  • Lebererkrankungen
  • Medikamention mit Wechselwirkung
Canemes® Nebenwirkungen (häufig)

  • Somnolenz, Ataxie, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen
  • Euphorie, Schlafstörungen, Dysphorie
  • Sehstörungen
  • Vertigo
  • Hypotonie
  • Mondtrockenheit

Sativex® Nebenwirkungen (häufig)

  • Depression und Verwirrung
  • Übererregtheit und Realitätsverlust
  • Gedächtnisverlust und Konzentrationsschwäche
  • Schläfrigkeit und Schwindel
  • Seheintrübung und Sprachstörungen
  • Appetitverlust und Appetitsteigerung
  • Veränderter Geschmackssinn und Mundtrockenheit
  • Verstopfungen und Durchfall
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Mundbeschwerden
  • Energielosigkeit, Schwächegefühl und Unwohlsein
  • Unbehagen und Trunkenheitsgefühl
  • Gleichgewichtsverlust

Nebenwirkungen von cannabinoidhaltigen Fertigarzneimitteln

Vor der Verordnung von Fertigarzneimitteln sind die entsprechenden Packungsbeilagen und Fachinformationen zu beachten. Grundsätzlich gilt Nabilon als ein potentielles Suchtmittel und sollte daher nur für eine Kurzzeittherapie (bspw. begleitend zur Chemotherapie) verschrieben werden. Sativex® kann in Kombination mit Sedativa und Hypnotika eine verstärkende Wirkung haben.