Übersicht Abstracts Schmerz

#IndikationThemaAutorTitelJournalZusammenfassungStudiendesignAnzahl Patienten
1.       SchmerzCannnabis, Nabilone, oromucosal Spray, neuropathische Schmerzen, rheumatischer Arthritis, KrebsJohal et al. 2020“Cannabinoids in Chronic Non-Cancer Pain: A Systematic Review and Meta-Analysis“„Cannabinoide bei chronischen nicht krebsbedingten Schmerzen: Eine systematische Review und Metaanalyse“   In einer Metaanalyse wurden Studien mit 4006 Teilnehmer eingeschlossen, in denen inhaliertes Cannabis (4 Studien), oromukosale Cannabis-Sprays (14 Studien) und orale Cannabinoide (18 Studien) untersucht wurden. Im Vergleich zu Placebo zeigten Cannabinoide eine signifikante Schmerzreduktion, die bei einer Behandlungsdauer von 2 bis 8 Wochen, am größten war (gewichteter mittlerer Unterschied auf einer visuellen Analogskala von 0 bis 10 Schmerzen –0,68, 95% -Konfidenzintervall [CI], –0,96 bis –0,40, I2 = 8%, P <0,00001; n = 16 Versuche). Orale Cannabinoide (gegenüber Placebo) hatten eine größere Schmerzreduktion im Vergleich zu oromukosalen und inhalierten Formulierungen, aber der Unterschied war nicht signifikant (P [Wechselwirkung]> 0,05 in allen 3 Behandlungsdauern). Cannabinoide hatten bei Patienten mit Multipler Sklerose eine geringere Schmerzreduktion (gegenüber Placebo) im Vergleich zu anderen neuropathischen Schmerzen (P [Interaktion] = 0,05, innerhalb von 2 Wochen) und der Unterschied war jedoch nicht signifikant in Bezug auf Schmerzen aufgrund von rheumatischer Arthritis. Nabilon (gegenüber Placebo) hat im Vergleich zu anderen Cannabinoiden eine stärkere Schmerzreduktion bei einer Behandlung, die länger als 2 Wochen dauert. Aber der Unterschied war nicht signifikant (P [Wechselwirkung]> 0,05). Schwerwiegende Nebenwirkungen waren selten für alle Cannabinoide- (74 von 2176, 3,4%) und für Placebo-Gruppen (53 von 1640, 3,2%). Es bestand ein erhöhtes Risiko für nicht schwerwiegende Nebenwirkungen bei allen Cannabinoiden im Vergleich zu Placebo. Schlussfolgerungen: Es gab mäßige Hinweise, die Cannabinoide bei der Behandlung chronischer, nicht krebsbedingter Schmerzen nach 2 Wochen unterstützen. Ähnliche Ergebnisse wurden zu späteren Zeitpunkten beobachtet, aber das Vertrauen in die Wirkung ist gering. Es gibt kaum Anhaltspunkte dafür, dass Cannabinoide das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen erhöht. Nicht schwerwiegende Nebenwirkungen können jedoch kurzfristigen nach der Anwendung häufig vorkommen.Metaanalyse4006
2.       SchmerzNeuropathische Schmerzen, SchlafstörungenSerpell et al. 2014A double-blind, randomized, placebo-controlled, parallel group study of THC/CBD spray in peripheral neuropathic pain treatmentEuropean journal of pain (London, England) 18 (7), S. 999–1012. DOI: 10.1002/j.1532-2149.2013.00445.x.„Eine doppelblinde, randomisierte, placebo-kontrollierte Studie paralleler Gruppen von THC/CBD Spray bei der Behandlung von peripherem neuropathischem Schmerz.“   Die Wirksamkeit des THC/CBD oromucosalen Sprays in Bezug auf peripheren neuropathischen Schmerz (PNP) mit Allodynie wurde in dieser 15-wöchigen, randomisierten, doppelblinden und placebo-kontrollierten Parallelgruppen-Studie untersucht. Insgesamt wurden 303 Patienten mit PNP assoziiert mit Allodynie voruntersucht und 128 randomisiert zu THC/CBD Spray und 118 zu Placebo, als Zusatz zur bestehenden analgetischen Therapie. Die primären Endpunkte waren eine 30% Response Rate in einer numerischen rating Skala (NRS) des PNP und die mittlere Veränderung dieses Scores im Vergleich von Beginn und Ende der Behandlung. Verschiedene sekundäre Endpunkte betreffend Schmerz und Funktionalität wurden erhoben. Bei dem Level von 30% Response wurden in der vollständigen Analyse (Intention-to-treat) statistisch signifikante Unterschiede gefunden zum Vorteil von THC/CBD Spray (p=0,034, 95% KI: 1,05-3,70). Es wurde außerdem eine Reduktion des Mittelwerts des PNP NRS innerhalb beider Behandlungsgruppen gefunden, die zwar in der THC/CBD Spray Gruppe überwog, aber keine statistische Signifikanz erreichte. Sekundäre Messungen zur Schlafqualität NRS (p=0,0072) und des subjektiven Gesamteindrucks einer Veränderung (SGIC) (p=0,023) zeigten ebenfalls einen statistisch signifikanten Unterschied der Behandlung mit Vorteil für das THC/CBD Spray. Diese Ergebnisse zeigen, dass ein wesentlicher Anteil sonst therapieresistenter Patienten klinisch bedeutsame Verbesserungen von Schmerz, Schlafqualität und SGIC der Schwere ihres Zustands mit THC/CBD Spray erreicht. THC/CBD Spray wurde gut toleriert.Doppelblinde, randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie303
3.       SchmerzSchmerz, Fibromyalgie; CannabisblütenDonk et al. 2019An experimental randomized study on the analgesic effects of pharmaceutical-grade cannabis in chronic pain patients with fibromyalgiaPain. 2019 Apr;160(4):860-869 DOI: 10.1097/j.pain.0000000000001464„Eine experimentelle randomisierte Studie über die analgetischen Effekte von pharmazeutischem Cannabis auf chronischen Schmerz bei Patienten mit Fibromyalgie“   Diese experimentelle, randomisierte, placebokontrollierte 4-Wege Cross-over-Studie untersuchte die analgetische Wirkung von inhaliertem pharmazeutischen Cannabis bei 20 Fibromyalgie-Patienten mit chronischem Schmerz. Es wurden 4 verschiedene Cannabissorten, mit bekanntem THC/CBD-Verhältnis getestet: Bedrocan (22,4 mg THC, <1 mg CBD) Bediol (13,4 mg THC, 17,8 mg CBD), Bedrolite (18,4 mg CBD, <1mg THC) und ein Placebo ohne THC und CBD. Nach einer einzelnen Dampfinhalation wurden THC- und CBD-Plasmakonzentrationen, Druck- und der elektrische Schmerzschwellenwert, spontane Schmerz-Scores und das „High“ für 3 Stunden gemessen. Keine der Behandlungen verfügte über eine Wirkung, die die Wirkung des Placebos auf spontane oder elektrische Schmerzantworten überstieg, wobei Bediol jedoch im Vergleich zum Placebo bei mehr Patienten zu einer 30%igen Reduktion der Schmerz-Scores führte (90% vs. 55% der Patienten, P = 0,01) – die spontanen Schmerzscores korrelierten mit dem Ausmaß des „Highs“ (ρ = -0,5, P < 0,001). THC-enthaltende Cannabissorten verursachten im Verhältnis zum Placebo einen signifikanten Anstieg des Druck-Schmerz-Schwellenwertes (P < 0,01). CBD erhöhte zwar die Plasma-THC-Werte, minderte jedoch den THC-induzierten analgetischen Effekt (hinweisend auf die synergistische Pharmakokinetik aber antagonistische Pharmakodynamik von THC und CBD). Diese experimentelle Studie demonstriert die komplexe Wirkung inhalierter Cannabinoide auf chronischen Schmerz, wobei eine einzelne Inhalation nur zu einer schwachen analgetischen Reaktion führte. Weitere Studien sind erforderlich, um die Wirkung einer Langzeitbehandlung auf spontane Schmerz-Scores, THC-CBD-Interaktion und die Rolle psychotroper Symptome auf die Schmerzlinderung zu bestimmen.Experimentelle randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie20
4.       SchmerzNeuropathische Schmerzen, AllodynieNurmikko et al. 2007Sativex successfully treats neuropathic pain characterised by allodynia: a randomised, double-blind, placebo-controlled clinical trialPain. 2007 Dec 15;133(1-3); S. 210-20„Erfolgreiche Behandlung von neuropathischem Schmerz, charakterisiert durch Allodynie, mit Sativex: randomisierte, doppel-blinde, Placebo-kontrollierte Studie“   Diese Studie evaluiert die Effekte von oro-mucosalem Sativex (THC: CBD) auf Schmerz und Allodynie bei 125 Patienten mit neurophatischem Schmerz peripheren Ursprungs im Rahmen einer fünfwöchigen, randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Parallelstudie. Die bereits bestehende analgetische Therapie der Patienten wurde beibehalten. 63 Patienten wurden randomisiert und erhielten Sativex und 62 Placebos. Bei Patienten, die Sativex erhielten war die durchschnittliche Reduktion des Schmerzintensitätsscores stärker ausgeprägt als bei jenen, die das Placebo erhielten (-1,48 Punkte vs. -0,52 Punkte; 0-10-Skala). Verbesserungen in Bezug auf die neuropathische Schmerzskala, Schlaf, dynamische und punktuelle Allodynie, „Pain Disability Index“ und „Patient’s Global Impression of Change“ waren in ähnlichem Maße bei Sativex stärker ausgeprägt, als beim Placebo. Sedative und gastrointestinale Nebenwirkungen traten v.a. bei Patienten auf, die Sativex einnahmen. 18% der Patienten, die Sativex erhielten und 3% der Patienten, welche das Placebo erhielten, stiegen aus der Studie aus. Eine „Open-label extension-Studie“ wies nach, dass die initiale Schmerzlinderung auch für weitere 52 Wochen ohne toxische Erscheinungen beibehalten werden konnte.  Randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie125
5.       SchmerzSchmerz, Krebs, Neuropathische Schmerzen, ChemotherapieLynch et al. 2014A double-blind, placebo-controlled, crossover pilot trial with extension using an oral mucosal cannabinoid extract for treatment of chemotherapy-induced neuropathic painJournal of pain and symptom management 47 (1), S. 166–173. DOI: 10.1016/j.jpainsymman.2013.02.018.„Eine doppelblinde, Placebo kontrollierte Studie im Crossover Design nutzte orales Cannabinoid Extrakt in der Behandlung chemotherapeutisch induzierter neuropathischer Schmerzen“   Eine randomisierte, Placebo kontrollierte Studie der Dalhousie Universität in Kanada untersuchte im Crossover Design anhand von 16 Patienten mit neuropathischem Schmerz in Folge von Chemotherapie die Wirksamkeit oralen Cannabis Extrakts (Nabiximols). Im Vergleich der Gruppen zeigte sich kein Unterschied in Bezug auf die Schmerzintensität, eine Analyse der Responder zeigte sich aber ein Trend anhand von fünf Teilnehmer auf, die eine Reduktion um mindestens zwei Punkte berichteten (0-10 Punkte NRS-PI). Die Anzahl der zu Behandelnden für einen therapeutischen Effekt war 5 (NNT). Innerhalb der Responder zeigte sich tendenziell eine Reduktion der Schmerzen im Vergleich zu Placebo (2,6; 0,6).Doppelblinde, Placebo- kontrollierte Studie16
6.       SchmerzSchmerzschwelle, SchmerzintensitätMalik et al. 2017Dronabinol increases pain threshold in patients with functional chest pain: a pilot double-blind placebo-controlled trialJournal of the International Society for Diseases of the Esophagus 30 (2), S. 1–8. DOI: 10.1111/dote.12455.„Dronabinol steigert die Schmerzschwelle bei Patienten mit funktionalem Brustschmerz: eine doppelblinde, Placebo kontrollierte Studie“   In einer Placebo-kontrollierten Studie der Universität Iowa wurde die Wirkung von Dronabinol (5mg zweimal täglich für 28 Tage) auf funktionalen Brustschmerz anhand von Patienten (n=7) untersucht. Die Probanden durchliefen einen Ballon Aufweitungstest des Ösophagus zu Beginn und zum Ende der Studie. Dronabinol erhöhte die Schmerzschwelle signifikant (3,0 vs 1,0; p=0,03) und reduzierte die Schmerzintensität im Vergleich mit Placebo (0,18 vs 0,01; p=0,04). Scores zu Stimmung und Ängstlichkeit unterschieden sich nicht. Es wurden keinen bedeutsamen Nebenwirkungen beobachtet.    Doppelblinde, Placebo- kontrollierte Studie
7.       SchmerzChronischer Schmerz, Krebs, SchlafstörungPortenoy et al. 2012Nabiximols for opioid-treated cancer patients with poorly-controlled chronic pain: a randomized, placebo-controlled, graded-dose trialJ Pain. 2012 May;13(5), S. 438-49. doi: 10.1016/j.jpain.2012.01.003„Nabiximols für opioidbehandelte Krebspatienten mit schlecht-kontrolliertem chronischen Schmerz: randomisierte, placebokontrollierte, graded-dose Studie“   In Rahmen dieser Studie erhielten Patienten mit Krebs im fortgeschrittenen Zustand und opioidresistentem Schmerz ein Placebo oder Nabiximols in niedriger Dosis (1-4 Sprühstöße/Tag), mittlerer Dosis (6-10 Sprühstöße/Tag) oder hoher Dosis (11-16 Sprühstöße/Tag). Über die 5-wöchige Behandlungsdauer hinweg wurden durchschnittlicher Schmerz, stärkster Schmerz und Schlafstörungen täglich gemessen; andere Fragebögen bewerteten Lebensqualität und Stimmung. Von 360 teilnehmenden Patienten schlossen 263 die Studie ab. Zwischen den Gruppen bestanden keine Baseline-Unterschiede. Während die 30%-Ansprechrate keine Signifikanz für Nabiximols vs. Placebo aufwies, demonstrierte eine sekundäre kontinuierliche Analyse des durchschnittlichen täglichen Schmerzes (Baseline bis Ende der Studie), dass die Nabiximols dem Placebo gegenüber analgetisch insgesamt überlegen waren (insbesondere bei niedriger und mittlerer Dosis). In der Gruppe mit niedriger Dosierung waren die Ergebnisse für den mittleren durchschnittlichen Schmerz, mittleren stärksten Schmerz und mittlere Schlafstörung ähnlich. Andere Fragebögen wiesen keine signifikanten Gruppenunterschiede auf. Nebeneffekte waren dosisabhängig und fielen nur in der Gruppe mit hoher Dosierung negativ gegenüber dem Placebo auf. Nabiximols könnten ein nützliches add-on-Analgetikum für Patienten mit opioidresistente Schmerzen bei Krebspatienten sein. Diese Studie demonstrierte Wirksamkeit und Sicherheit bei niedriger und mittlerer Dosierung.Randomisierte, Placebo- kontrollierte Studie263
8.       SchmerzDronabinol, neuropathische Schmerzen, Multiple SkleroseSchimrigk et al. 2017Dronabinol Is a Safe Long-Term Treatment Option for Neuropathic Pain PatientsEuropean Neurology 78 (5-6), S. 320–329. DOI: 10.1159/000481089„Dronabinol stellt eine sichere Langzeitbehandlung für Patienten mit neuropathischem Schmerz dar“   Die Wirkung von Dronabinol auf neuropathischen Schmerz wurde In einer Placebo-kontrollierten Phase 3 Studie mit 240 Patienten mit Multipler Sklerose über 16 Wochen untersucht, im Anschluss folgte eine unverblindete Periode über 32 Wochen. 100 Patienten setzten die Therapie für bis zu 119 Wochen fort. Primärer Endpunkt der Studie war der Unterschied zwischen der Schmerzstärke. Die Sicherheit wurde anhand von Nebenwirkungen und Zeichen für Abhängigkeit oder Missbrauch erhoben. Die Schmerzstärke zeigte sich im Verlauf mit Placebo und Dronabinol reduziert um 1,81 und 1,92 Punkte ohne signifikanten Unterschied (p=0,676). Im Vergleich zu Placebo zeigte sich unter Dronabinol eine höhere Rate an Nebenwirkungen (25,9 vs. 50%), die sich im Langzeitgebrauch von Dronabinol aber reduzierte auf 26%. Zeichen für einen Missbrauch der Droge traten nicht auf und nur ein möglicher Fall einer Abhängigkeit. Dronabinol stellt eine sichere Option in der Langzeitbehandlung des neuropathischen Schmerzes bei MS dar.Placebo-kontrollierte Phase 3 Studie240
9.       SchmerzChronische Schmerzen; MetaanalyseStockings et al. 2018Cannabis and cannabinoids for the treatment of people with chronic noncancer pain conditions: a systematic review and meta-analysis of controlled and observational studiesPain 159 (10), S. 1932–1954. DOI: 10.1097/j.pain.0000000000001293.„Cannabis und Cannabinoide in der Behandlung von Menschen mit chronischen Schmerzen in Abwesenheit von Krebs: systematisches Review und Meta-Analyse kontrollierter Studien und Beobachtungsstudien“   In einer Meta-Analyse der Universität Sydney wurde die Evidenz der Behandlung chronischer Schmerzen in Abwesenheit von Krebs (CNCP: chronic noncancer pain) mit Cannabinoiden untersucht anhand von 47 randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) und 57 Beobachtungsstudien. Im Vergleich der RCTs zeigte sich für die Reduktion der Schmerzen um 30% ein signifikanter Unterschied zwischen den Anteilen mit Cannabinoiden (29,0%) und Placebo (25,9%). Die Anzahl der zu Behandelnden für einen Erfolg lag bei 24 (NNT). Für eine Reduktion der Schmerzen um 50% ergab sich kein signifikanter Unterschied. Der Unterschied in der Schmerzstärke entsprach 3mm als in den Placebo Gruppen auf einer 100mm visuellen Analogskala. Der Anteil der Nebenwirkungen lag mit Cannabinoiden bei 81,2% und mit Placebo bei 66,2%. Die Anzahl der zu Behandelnden für einen Nachteil lag bei 6 (NNH). Es zeigten sich Hinweise auf einen verbesserten Schlaf. Die Evidenz für die Behandlung von CNCP ist limitiert, die NNT fällt hoch aus und die NNH niedrig. Cannabinoide stellen wahrscheinlich keine effektive Behandlung für CNCP dar.Meta-Analyse
10.       SchmerzAbdominale Schmerzen, Wirksamkeit, SicherheitVries et al. 2017Tetrahydrocannabinol Does Not Reduce Pain in Patients with Chronic Abdominal Pain in a Phase 2 Placebo-controlled Study. In: Clinical gastroenterology and hepatologyThe official clinical practice journal of the American Gastroenterological Association 15 (7), 1079-1086.e4. DOI: 10.1016/j.cgh.2016.09.147.Im Rahmen einer Phase 2 Placebo kontrollierten Studie mit Patienten mit abdominalen Schmerzen reduzierte THC die Schmerzen nicht   In einer randomisierten, Placebo kontrollierte Studie der Radboud Universität (Niederlande) wurde die analgetische Wirksamkeit, Pharmakokinetik und Sicherheit eines oralen THC Präparats bei Patienten mit chronischen abdominalen Schmerzen untersucht. 65 Patienten mit anhaltenden Schmerzen (mindestens 3 Monate und Schmerzstärke 3/10 NRS) erhielten für 50-52 Tage Placebo oder THC, die ersten fünf Tage 3mg 3/d, danach 5mg 3/d und zuletzt durchgehend 8mg 3/d. Blutproben wurden an Tag 1, 15 und 50-52 gewonnen. An Tag 50-52 unterschied sich der Schmerz nicht signifikant im Vergleich von THC und Placebo (F1,46 = 0,016; p=0,901), im Verlauf der Studie fielen die Mittelwerte der Schmerzen um 1,6 Punkte (40%) in der THC Gruppe und um 1,9 Punkte (37%) in der Placebo Gruppe. Sieben Patienten der THC Gruppe beendeten die Einnahme vorzeitig aufgrund von Nebenwirkungen im Vergleich zu 2 Patienten der Placebo Gruppe. Sämtliche Nebenwirkungen fielen schwach bis moderat aus. Diese Phase 2 Studie fand keinen Unterschied zwischen THC und Placebo in der analgetischen Wirksamkeit bei Patienten mit chronischen abdominalen Schmerzen.Placebo kontrollierte Studie65
11.     SchmerzChronischer Schmerz, Sicherheitsstudie, Cannabistee, inhalativem CannabisFanelli et al. 2017Cannabis and intractable chronic pain: an explorative retrospective analysis of Italian cohort of 614 patientsJ Pain Res. 2017 May 22;10, S. 1217-1224. doi: 10.2147/JPR.S132814„Cannabis und renitente chronische Schmerzen – explorative retrospektive Analyse eines italienischen Kohorts von 614 Patienten“   Diese retrospektive Fall-Serien-Analyse aller Patienten mit chronischen Schmerzen und Therapie mit oralem oder vaporisiertem Cannabis (6 Zentren, während des ersten Jahres der Umsetzung der neuen italienischen medizinischen Cannabis-Gesetze (Dezember 2015 – November 2016)) evaluierte Administrationsarten, angewandte Cannabisprodukte, Dosierungen und Wirksamkeit und Sicherheit der Behandlung. Als einziges Zentrum mit extensiver Cannbinoidanwendung zur Schmerzbehandlung, wurde nur der Kohort der „Azienda Ospedaliero Universitaria Pisana“ (614 Patienten von 659) analysiert. Hauptadministrationsform war das Trinken von Cannabistee, welches in fast allen Fällen mit weiteren Schmerzbehandlungen einherging. Die initialen und im weiteren Verlauf gemessenen Cannabinoidkonzentrationen variierten deutlich. 76,2% der Patienten setzten die Behandlung nach Ablauf des ersten Behandlungszeitraumes fort, <15% brachen die Behandlung aufgrund von Nebeneffekten (moderater Natur) ab.   Ausgehend von dieser ersten Momentaufnahme kann festgestellt werden, dass die Behandlung chronischer Schmerzen mit medizinischem Cannabis wirksam und sicher ist, wobei jedoch mehr Daten und sich anschließende Studien erforderlich sind, um diese Behandlungsoption besser bewerten zu können.  Retrospektive Fall-Serien-Analyse614
12.     SchmerzSativex, Multiple Sklerose, neuropathische SchmerzenLangford et al. 2013  A double-blind, randomized, placebo-controlled, parallel-group study of THC/CBD oromucosal spray in combination with the existing treatment regimen, in the relief of central neuropathic pain in patients with multiple sclerosis.Neurol. 2013 Apr;260(4):984-97. doi: 10.1007/s00415-012-6739-4.„THC/CBD Spray zur Verbesserung des neuropathischen Schmerz bei Patienten mit Multipler Sclerose – doppelblinde, randomisierte, Placebo kontrollierte Studie“   Eine doppelblinde, randomisierte, Placebo kontrollierte, Parallele Gruppen Studie mit oromukosalem THC/CBD Spray in Kombination mit bestehenden Behandlungsregimen zur Linderung zentraler neuropathischer Schmerzen bei Patienten mit Multiple Sklerose. Es handelt sich um die erste Phase 3 Placebo kontrollierte Studie. Von 339 Patienten, die unter bestehender Therapie keine ausreichende Analgesie erreicht haben, wurden 172 mit Placebo und 167 mit THC/CBD Spray als Zusatztherapie doppelblind für 14 Wochen behandelt, danach folgte eine 18 wöchige Entzugsstudie, wobei in den ersten 14 Wochen nicht verblindet behandelt wurde und in den letzten 4 Wochen erfolgte der Entzug doppelblind für 58 verbliebene Patienten mit den Endpunkten Therapieversagen und anhaltende Wirksamkeit. Der Unterschied von 5% in den Anteilen der Responder im Vergleich von Placebo und THC/CBD Spray genügte nicht, um den primären Endpunkt der Responder Analyse mit dem Level von 30% zu erfüllen. In Woche 10 hingegen zeigte sich ein statistisch signifikanter Vorteil für THC/CBD (p=0,046). Während der Entzugsphase der Studie zeigte sich ein signifikanter Unterschied im Vergleich der Zeiten bis zum Therapieversagen zwischen Placebo mit 57% und THC/CBD Spray mit 24% der Patienten (p=0,04). Die mittlere Veränderung von der Baseline in der Schmerz NRS (p=0,028) und Schlafqualität NRS (p=0,015) war auch statistisch signifikant im Vergleich, mit einem geschätzten Unterschied der Behandlung von entsprechend -0,79 und 0,99 Punkten mit Vorteil bei THC/CBD Spray. Fazit: Die Ergebnisse dieser Studie waren nicht eindeutig. Der Anteil an Respondern war in beiden Gruppen, Placebo und THC/CBD Spray, ähnlich ausgeprägt. Im Gegensatz dazu wurde in Phase B der Studie ein deutlicher Effekt gezeigt, mit der verlängerten Zeit bis zum Versagen der Therapie in der THC/CBD Spray Gruppe im Vergleich zu Placebo.  Doppelblinde, randomisierte, Placebo kontrollierte Studie339
13.     SchmerzMultipler Sklerose, Neuropathischer Schmerz, Nabilone in Kombination mit GabapentinTurcotte et al. 2015Nabilone as an adjunctive to gabapentin for multiple sclerosis-induced neuropathic pain: a randomized controlled trialPain medicine (Malden, Mass.) 16 (1), S. 149–159. DOI: 10.1111/pme.12569.„Nabilone als begleitende Therapie von Gabapentin bei MS induzierten neuropathischem Schmerz: eine randomisierte kontrollierte Studie“   Eine randomisierte, doppelblinde, Placebo kontrollierte Studie der Universität Manitoba (Canada) untersuchte anhand von 15 MS Patienten (relapsing remitting) mit neuropathischem Schmerz (NPP) die Wirksamkeit von Nabilone in Kombinatinon mit Gabapentin (GBP), die trotz 1800mg/d GBP nur ungenügend Linderung erfuhren. Nabilone wurde innerhalb der ersten vier Wochen titriert (0,5mg/Woche gesteigert) und in den folgenden fünf Wochen zweimal täglich 1mg oral verabreicht. Primär wurden Schmerzstärke (VASpain) und der Einfluss der Schmerzen auf tägliche Aktivitäten (VASimpact) anhand einer visuellen Analogskala erfasst. Im Verlauf zeigte sich eine signifikante Reduktion von VASpain und VASimpact mit Nabilone im Vergleich zu Placebo. Nabilone wurde gut toleriert, die häufigste Nebenwirkung stellte Schwindel dar. Nabilone erwies sich in Kombination mit GBP als effektiv bei MS Patienten mit NPP.Randomisierte- kontrollierte Studie15
14.     SchmerzTHC, Spastizität, neuropathischer Schmerz, Multiple Sklerosevan Amerongen et al. 2018Effects on Spasticity and Neuropathic Pain of an Oral Formulation of Δ9-tetrahydrocannabinol in Patients WithProgressive Multiple SclerosisClinical therapeutics 40 (9), S. 1467–1482. DOI: 10.1016/j.clinthera.2017.01.016.„Die Wirkung einer oralen Applikation von THC auf Spastizität und neuropathischem Schmerz bei Patienten mit progressiver Multipler Sklerose“   Eine Studie aus den Niederlanden untersuchte die Wirksamkeit von THC anhand von 24 Patienten mit progressiver Multipler Sklerose, neben pharmakologischen Parametern wurden Schmerzstärke, Spastizität und Nebenwirkungen erhoben im Rahmen eines vierwöchigen, randomisierten, Placebo kontrollierten Versuchs. Klinisch zeigten sich Schmerzen und Spastizität signifikant verringert, jedoch nicht anhand der subjektiven Symptomtagebücher. In kognitiven Tests zeigte sich kein signifikanter Unterschied im Vergleich von Placebo und THC. THC wurde gut toleriert und wies ein stabiles pharmakokinetisches Profil auf.    Randomisierter, Placebo kontrollierter Versuch24
15.SchmerzChronischer SchmerzPiper et al. 2017Chronic pain patients' perspectives of medical cannabisPain. 2017 Jul;158(7), S. 1373-1379.„Die Sicht chronischer Schmerzpatienten auf medizinisches Cannabis“   Ziel dieses Berichtes ist es, eine tiefgründige, qualitative Exploration der Patientensicht auf die Stärken und Limits medizinischen Cannabis (MC) zu bieten. 984 Mitglieder von Ausgabestellen für medizinisches Cannabis in Neuengland, 2/3 dieser mit einer Vorgeschichte chronischer Schmerzen, schlossen eine Online-Umfrage ab. In Bezug auf die Frage „Wie effektiv ist die Behandlung Ihrer Symptome/Konditionen mit medizinischem Cannabis?“ (0% = keine Linderung bis 100% = Symptomfreiheit), war die durchschnittliche Antwort 74,6% ± 0,6. Die durchschnittlichen Ausgaben für medizinisches Cannabis betrugen 3064,47 ± 117,6$, was im Mittel 2320,23$ entspricht, mit einer Spannweite von 52,14$ bis 52.140$. Ergebnisoffene Antworten wurden in Form von Themen und Unterthemen aufgeschlüsselt. Die Analyse der Antworten auf die Frage „Welche Aspekte von medizinischem Cannabis schätzen Sie am meisten?“ (N=2592 Antworten) identifizierte 10 Themen, einschließlich gesundheitlicher Vorteile (36% der Antworten, z.B. „Änderung der Wahrnehmung und des Erlebens meiner chronischen Schmerzen.“), das Produkt (14,2%, z.B. „Genau zu wissen, welche Sorte man erhält.“), nicht auf die Gesundheit bezogene Vorteile (14,1%), allgemeine Aspekte (10,3%) und die Arzneimittelanwendung (7,1%). Die Antworten auf die Frage „Welche Aspekte des medizinischen Cannabis sind für Sie am unangenehmsten?“ konnten 12 Themen zugeordnet werden: Kosten (28,4%, z.B. „Die Kosten sind teuer für jemanden mit fixem Einkommen.“), Wirkungen (21,7%, z.B. „Die Wirkung auf meine Lunge“), die Meinung anderer Personen (11,4%), Zugriff (8,2%) und Administrationsweg (7,1%). Insgesamt liefern diese Ergebnisse eine Patienten-zentrierte Sicht der Vorteile (z.B. Wirksamkeit der Schmerzbehandlung, reduzierte Anwendung anderer Medikamente) und Nachteile (z.B. Ökonomie und Stigmata).  Online-Umfrage984
16.       SchmerzKrebs, Schmerz, offene WundeMaida et al. 2017Medical Cannabis in the Palliation of Malignant Wounds-A Case ReportJ Pain Symptom Manage. 2017 Jan;53(1):e4-e6. doi: 10.1016/j.jpainsymman.2016.09.003„Medizinisches Cannabis zur Behandlung maligner Wunden – ein Fallbericht“   Hierbei handelt es sich um den Fallbericht eines 44-jährigen Mannes mit squamösem Karzinom im Bereich der rechten Wange, welches in einer offenen Wunde resultierte. Zur Schmerzbehandlung wurde zunächst inhaliertes Cannabis angewandt und anschließend viermal täglich ein topisch applizierter Cannabisextrakt (in Sonnenblumenöl; 1-2ml). Der Patient berichtete von dem Einsetzen der Schmerzlinderung 10-15 min nach der Applikation, welche für bis zu 2 Stunden anhielt. Des Weiteren verringerte sich die Größe der Wunde innerhalb von 4 Wochen um rund 5%.    Fallbericht
17.       SchmerzNeuropathische SchmerzenHesselink and Kopsky, 2012Intractable neuropathic pain due to ulnar nerve entrapment treated with cannabis and ketamine 10%In: J Clin Anesth. 2012 Feb;24(1), S. 78-9. https://doi.org/10.1016/j.jclinane.2011.02.013“Behandlung von renitentem, neuropathischer Schmerz infolge Ulnarisrinnen-Syndrom mit Cannabis und Ketamin (10%)“   Bei dieser Studie handelt es sich um den Fallbericht einer 56 Jahre alten Frau mit schwerwiegendem neuropathischem Schmerz in Folge einer Schädigung des rechten N. ulnaris. Die Patientin hatte im Verlauf ihres Lebens mehrere Frakturen erlitten und sich mehreren chirurgischen Eingriffen ihres rechten Armes unterzogen. Seit 1996 litt die Patientin unter Schmerzen im Innervationsgebiet des N. ulnaris, welche in den folgenden Jahren trotz des Einsatzes von Opiaten und anderer Schmerzmedikamente zunahm und dessen Intensität auf einer numerischen 11-Punkte-Skala um 7 rangierte (0 = kein Schmerz, 10 = höchstmöglicher Schmerz). Aufgrund zahlreicher Nebenwirkungen brach die Patienten die bestehende Medikation ab und begann orales Cannabis (0,5g/Tag in Form von Keksen) einzunehmen, was die Schmerzintensität von 8 auf 5 senkte. Der zusätzliche Einsatz einer Ketamin-Creme (zweimal täglich) führte zu einer weiteren Schmerzreduktion (von 3 auf 2). In diesem Zusammenhang wurde geschlussfolgert, dass Ketamin und Cannabis synergistisch wirken könnten, da Wechselwirkungen bestehen und das Cannabinoid- und Opioidrezeptorsystem ebenfalls synergistische Interaktionen aufweisen  Fallbericht
18.       Schmerz, OpiatsubstitutionCannabinoid-Opioid-Interaktion, SchmerzAbrams et al. 2011Cannabinoid-opioid interaction in chronic painClin Pharmacol Ther. 2011 Dec;90(6), S. 844-51. doi: 10.1038/clpt.2011.188„Cannabinoid-Opioid-Interaktion bei chronischem Schmerz“   Diese Studie untersuchte die potentielle Pharmakokinetik und die Sicherheit des gleichzeitigen Einsatzes von Cannabinoiden und Opioiden bei der Schmerzbehandlung. 21 Patienten mit chronischen Schmerzen und zweimal täglichen Dosen Retard-Morphin oder Oxycodon nahmen im Rahmen der Studie an einer stationären Behandlung über 5 Tage teil. Die Patienten inhalierten vaporisiertes Cannabis am Abend des ersten Tages, dreimal täglich an den Tagen 2-4 und einmal am Morgen des 5. Tages. Am ersten und fünften Tag wurden in 12h-Intervallen Blutproben entnommen; das Ausmaß der chronischen Schmerzen wurde täglich bestimmt. Pharmakokinetische Untersuchungen konnten keine signifikanten Änderung der AUC (Plasma-Konzentrations-Zeit-Kurve) von weder Morphin noch Oxycodon nach Cannabisexposition feststellen. Der Schmerz sank nach dem Hinzufügen des vaporisierten Cannabis‘ signifikant (durchschnittlich 27%; 95% CI: 9, 46). Anhand der Ergebnisse wird geschlussfolgert, dass vaporisiertes Cannabis die analgetischen Wirkungen von Opioiden verstärkt, ohne die Plasma-Opioid-Level signifikant zu beeinflussen. Die Kombination von Opioidbehandlung und Cannabis könnte eine Minderung der Opioiddosis und das Auftreten von weniger Nebenwirkungen ermöglichen.  Open-label-Studie21
19.       SchmerzNabilone, Gabapentin, neuropathischer SchmerzBestard and Toth, 2011An open-label comparison of nabilone and gabapentin as adjuvant therapy or monotherapy in the management of neuropathic pain in patients with peripheral neuropathyPain Pract. 2011 Jul-Aug;11(4):353-68. doi: 10.1111/j.1533-2500.2010.00427.x„Ein open-label Vergleich von Nabilon und Gabapentin als unterstützende Therapie oder Monotherapie zum Management von neuropathischem Schmerz unter Patienten mit peripherer Neuropathie“   Ziel dieser nicht randomisierten open-label-Studie war es, die Wirksamkeit des Cannabinoids Nabilon als Monotherapie bzw. als Zusatztherapie zur first-line- Medikation bei neuropathischem Schmerz (Gabapentin), in einer Population mit neuropathischem Schmerz/peripherer Neuropathie, zu vergleichen. Die Patienten wurden dazu berechtigt eine Monotherapie (Nabilon oder Gabapentin) zu beginnen oder eine dieser zwei Medikationen zu ihrem bestehendem Behandlungsregime hinzuzufügen. Die gesammelten Baseline-Daten schlossen primäre Ergebnisse (visuelle analoge Schmerz-Scores (VAS)) und sekundäre Ergebnisse (Bewertung der Lebensqualität (EuroQol 5 Domains and Short-Form 36), Schlafbewertung (Medical Outcomes Sleep Study Scale {MOSSS}), Bewertung von Angstzuständen und Depression (Hospital Anxiety and Depression Scale) und Schmerz (Brief Pain Inventory)) ein. In drei- und sechsmonatigen Intervallen wurden Neubewertung und Modulation der Dosis und/oder Medikation vorgenommen. Nach 6 Monaten wurden Nebenwirkungen und Wirksamkeit der Medikamente und ausgefüllte Fragebögen bewertet. Um die Scores nach 3 und 6 Monaten mit den Baseline-Werten zu vergleichen, als auch um den Behandlungsstand zu gleichen Zeitpunkten zu vergleichen, wurden aufeinander abgestimmte Analysen der Varianz-Testung angewandt. Nach 6 Monaten konnten in allen Behandlungsgruppen signifikante Verbesserungen der Schmerz-Scores beobachtet werden. Des Weiteren verbesserten sich bei Patienten, welche Nabilon oder Gabapentin als Monotherapie oder Zusatztherapie erhielten, zahlreiche Schlaf-Parameter der MOSSS, des Brief Pain Inventory, und des Short-Form 36. Auch die Scores der Angstzustände und er Depression Scale-A verbesserten sich in allen Behandlungsgruppen signifikant. Insbesondere bei Patienten mit Nabilon-Monotherapie verbesserter sich die Schlaf-Adäquanz und der „sleep problems index“ innerhalb der MOSSS. Die Vorteile der Mono- oder Zusatztherapie mit Nabilon zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen scheinen vergleichbar zu Gabapentin zu sein. Um die potenziellen Vorteile innerhalb dieser Patientenpopulation zu bestimmen, sind Kopf-an-Kopf randomisierte, doppelblinde Studien zu aktuellen Therapien von neuropathischen Schmerzen erforderlich.  Open-label-Studie
20.       SchmerzKrebs, Patienten älter als 65 JahreAbuhasira et al. 2018Epidemiological characteristics, safety and efficacy of medical cannabis in the elderlyEur J Intern Med. 2018 Mar;49:44-50. doi: 10.1016/j.ejim.2018.01.019„Epidemiologische Eigenschaften, Sicherheit und Wirksamkeit von medizinischem Cannabis bei älteren Menschen“   Der Gebrauch von medizinischem Cannabis erfuhr in den letzten Jahren einen starken Zuwachs und unter demographischen Gesichtspunkten nutzen immer mehr ältere Menschen medizinisches Cannabis. Ziel dieser Studie war es, diese ältere Subpopulation zu charakterisieren und die Sicherheit und Effizienz des Gebrauchs von medizinischem Cannabis zu untersuchen. In einer prospektiv-angelegten Studie wurden alle Patienten über 65 Jahre betrachtet, die über einen Zeitraum von 33 Monaten in spezialisierten Zentren medizinisches Cannabis erhielten und einen Eingangsfragebogen ausfüllten. Erhobene Parameter waren Schmerzintensität, Lebensqualität unerwünschte Arzneimittelwirkungen nach sechs Monaten. Es konnten 2736 Patienten über 65 Jahre eingeschlossen werden, das Durchschnittsalter betrug ca. 74,5 Jahre. Die häufigsten Indikationen für die Verwendung von Cannabis waren Schmerz und Krebserkrankungen. Nach sechs Monaten berichteten über 93% der Patienten von einer Verbesserung ihres Allgemeinzustandes und einer Schmerzreduktion von acht auf vier auf einer Skala von 0-10. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Schwindel und Mundtrockenheit. Nach sechs Monaten reduzierten oder stoppten 18,1% den Gebrauch von analgetisch-wirksamen Opioiden. Die Autoren schlussfolgern anhand dieser Untersuchung, dass der Gebrauch von medizinischem Cannabis sicher und effizient sei bei älteren Menschen. Cannabis-Konsum könnte die Verwendung von verschreibungspflichtigen Medikamenten, z.B. Opiaten, reduzieren. Es seien jedoch weitere qualitativ hochwertige Untersuchungen notwendig, um diese Ergebnisse zu stützen.  epidemiologische Datenanalyse2736
21.       SchmerzMuskuloskeletal TraumaHengPatient Perceptions of the Use of Medical Marijuana in the Treatment of Pain After Musculoskeletal Trauma: A Survey of Patients at 2 Trauma Centers in Massachusetts.J Orthop Trauma. 2018 Jan;32(1):e25-e30. doi: 10.1097/BOT.0000000000001002.„Die Wahrnehmung von Patienten bei der Verwendung von medizinischem Marihuana in der Behandlung von Schmerzen nach einem muskuloskelettalem Trauma: Eine Umfrage unter Patienten in 2 Trauma-Zentren in Massachusetts“   Diese Untersuchung sollte herausfinden, inwiefern Patienten mit muskuloskelettalem Trauma von dem Gebrauch von Marijuana als Therapeutikum für unfallbedingte und postoperative Schmerzen und Angstzustände überzeugt sind. Hierzu wurden in einer prospektiven Umfrage 500 ambulante Patienten befragt. Die durch die Patienten zu beantwortenden Fragen waren: Glauben die Patienten, dass Marijuana als ein Pharmazeutikum genutzt werden kann? Glauben die Patienten, dass Marijuana einen Effekt hat bei unfallbedingten Schmerzen? Sprechen Patienten offen mit medizinischen Ansprechpersonen über medizinisches Marijuana? Ergebnisse: 78% der Patienten haben erfahren, dass Marijuana Schmerzen beeinflussen kann. 62% der Patienten haben erfahren, dass Marijuana bei Angstzuständen helfen kann. 60% der Patienten gaben an, mindestens einmal zuvor Marijuana konsumiert haben, wobei nur 14% der Patienten es nach dem Unfall konsumierten. Von diesen wiederum glaubten 90%, dass Marijuana Schmerz positiv beeinflussen kann und 81% glaubten, dass durch den Gebrauch von Marijuana die Dosis der Opioid-haltigen Schmerzmedikamente reduziert werden konnte. Zusammenfassend konnte festgestellt werden, dass die Mehrheit der Patienten medizinisches Marijuana ein effektives Therapeutikum ist und dass es in der Therapie von unfallbedingten und postoperativen Schmerzen eingesetzt werden sollte. Die Patienten, die Marijuana nach dem Unfall verwendeten, haben erfahren, dass es Schmerzen lindern kann und die Dosis der Opioid-haltigen Schmerzmedikamente reduziert werden konnte. Diese Daten helfen praktizierenden Ärzten, die Haltung und Erwartungen von Patienten bezüglich medizinischem Marijuana in der Schmerztherapie einschätzen zu können.  Umfrage500
22.       OpioideOpioide und Benzodiazepin, MME, DEO'Connell et al. 2019Medical Cannabis: Effects on Opioid and Benzodiazepine Requirements for Pain Control.Ann Pharmacother. 2019 Nov;53(11):1081-1086. doi: 10.1177/1060028019854221. Epub 2019 May 25.„Medizinisches Cannabis: Auswirkungen auf den Gebrauch von Opioiden und Benzodiazepinen in der Schmerztherapie“   Zurzeit ist wenig bekannt über den Gebrauch von medizinischem Cannabis bei therapierefraktären Schmerzzuständen. Bisher veröffentlichte Studien zeigten widersprüchliche Ergebnisse bezüglich der Effektivität von medizinischem Cannabis. Zudem hatten die Studien kein hochwertiges Design oder wurden durch rechtliche Vorschriften verhindert. Diese Studie untersuchte, ob der Einsatz von medizinischem Cannabis bei Patienten einen Einfluss auf den täglichen Gebrauch von Opioiden und Benzodiazepinen hat. Hierfür wurde im Rahmen einer Kohortenstudie retrospektiv über einen Beobachtungszeitraum von sechs Monaten die Dosierungen bezüglich Opioiden und Benzodiazepinen bei Patienten mit therapierefraktären Schmerzen untersucht, die bei denen ebenfalls medizinisches Cannabis eingesetzt wurde. Es wurden alle erhältlichen täglichen Morphin Milligramm Äquivalente (MME) und Diazepam Äquivalente (DE) nach drei- bzw. sechs Monaten auf den Ausgangswert zu Beginn des Beobachtungszeitraumes bezogen. Es wurden die Daten von 77 Patienten ausgewertet und es wurde eine signifikante Reduktion der MME nach drei bzw. Sechs Monaten gefunden. Zusätzlich wurde eine nicht signifikante Reduktion der DE nach drei Monaten, aber kein Unterschied nach sechs Monaten gemessen. Die Autoren fassen zusammen, dass der Einsatz von medizinischem Cannabis bei Patienten mit therapierefraktären Schmerzen zu einer signifikanten Reduktion der MME führt, jedoch nicht zu einer Reduktion der DE im Vergleich zu einem Referenzwert. Es werden prospektive Studien empfohlen, um diesen Zusammenhang von medizinischem Cannabis und dessen Opioid-sparenden Effekt bei Patienten mit therapierefraktären Schmerzen zu bestätigen oder zu widerlegen.  Retrospektive Kohortenstudie77