Verschreibung

Cannabis

Ärzte

Gesetzliche Vorschriften

Bei der Verordnung von Cannabisblütenextrakt und anderen Zubereitungen aus Cannabis Indica und Sativa muss nach Arzneimittel und betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften gemäß § 9 Betäubungsmittel Verschreibungsverordnung (BfMVV) erfolgen. Dabei muss die Verordnung endgültig sein. Der Gültigkeitsdauer des Rezepts beträgt sieben Tage. Ist die Verschreibung in ihren Angaben nicht vollständig oder plausibel, kann weder ein Rezepturarzneimittel erstellt werden, noch darf die Apotheke beliefern. Werden die Dosierungsangaben auf dem Rezept mit dem Hinweis Anführungsstriche gemäß schriftlicher Anweisung“ vermerkt, muss die Anweisung der Apotheke in schriftlicher Form vorgelegt werden. Grund: die Kennzeichnungspflicht der Primärverpackung. Zu beachten ist die gesetzlich festgelegte Verordnungs-Höchstmenge der Cannabis-Medizin. Die Art der Anweisung und die Gebrauchsanweisung kann durch Verordnung der Nummer der DAC/NRF-Rezepturvorschrift bestimmt werden.

Die Rezeptangaben

  1. Datum
  2. Name, Vorname, Anschrift des Patienten.
  3. Name, Anschrift, Telefonnummer, Berufsbezeichnung oder Facharztbezeichnung des verschreibenden Arztes.
  4. Arzneimittelbezeichnung, Sorte (zuzüglich Bezeichnung und Gewichtsmenge je Packungeinheit).
  5. Menge des verordneten Arzneimittels in Gramm oder Milliliter, Stückzahl.
  6. Gebrauchsanweisung mit Einzel- und Tagesabgabe.
  7. Bei Verordnung im Rahmen der Substitution mit Reichdauer des Substitutionsmittel.
  8. Über die maximale zulässige Zahl der Betäubungsmittel oder festgesetzten Höchstmengen verordnet, muss dies mit dem A gekennzeichnet und begründet werden.
  9. Schriftlicher Anwendungshinweis.
  10. Unterschrift und Arztstempel des verschreibenden Arztes

Dosierempfehlung „start slow, go low“

Grundsätzlich gilt die Medikation mit cannabisbasierten Mitteln einschleichend zu dosieren (start slow, go low). Allgemein liegen bis dato keine verbindlichen Dosierungsempfehlung vor. Nur bei den Fertigarzneimitteln Sativex®, Canemes® und Marinol® liegen Fachinformationen über die genaue Dosierung vor. Für die Anfangsdosis und die maximalen Tagesdosen cannabinoidhaltiger Arzneimittel hat die Bundesapothekerkammer eine Dosierempfehlung gegeben.

  1. Cannabisblüten: Anfangsdosis am Tag 0,05 bis 0,1 g; Tagesdosis max. bis 3 g.
  2. Dronabinol: Anfangsdosis am Tag 1,7 bis 2,5 mg; Tagesdosis max. bis 30 mg.
  3. Nabilon (Canemes®): Anfangsdosis am Tag 1 mg; Tagesdosis max. bis 6mg.
  4. Cannabisextrakt (Sativex®): Anfangsdosis am Tag 1 Sprühstoß (= 2,7 mg THC und 2,5 mg CBD); Tagesdosis max. bis 12 Sprühstöße.
Wirkdauer und Nachweiszeitfenster abhängig vom Applikationsweg
Cannabis-Gabe Wirkeintritt und Dauer

Quelle: „Cannabis in der Apotheke“ C. Ude, M. Wurglics, 2 Auflage 2018, Govi.

Privat- oder Kassenrezept

Vor der Verschreibung durch den Arzt muss bei einem kassenärztlichen Rezept die Genehmigung der Cannabis-Therapie und die Bewilligung der Kostenübernahme bei der zuständigen Krankenkasse beantragt werden. Achtung: Bei einem Präparatewechsel, der Änderung der Dosierung oder Applikationsform muss erneut eine Genehmigung der Kostenübernahme bei der Kasse eingeholt werden. Erfolgt die Verordnung einer Cannabis-Medikation für einen gesetzlich Versicherten auf Privatrezept, muss keine Genehmigung der GKV (Gesetzliche Krankenversicherung) beantragt werden. Da der Patient die Therapie-Kosten selbst trägt. Für Fertigarzneimittel die in ihrer zugelassenen Indikation verordnet werden, muss ebenso keine Genehmigung zu Kostenerstattung beantragt werden. Bei einer zulassungsüberschreitenden Anwendung (Off-Label-Gebrauch) des Fertigarzneimittels schon.

Bedingungen Kostenübernahme private Krankenversicherung

Je nach vereinbartem Versicherungsumfang sind die Kosten für medizinische Cannabis-Produkte in der Privaten Krankenversicherung (PKV) grundsätzlich erstattungsfähig. Die Kostenerstattung einer Cannabis-Therapie seitens der PKV richtet nach den Musterbedingungen für die Krankheitskosten- und Krankenhaustagegeldversicherung. Die Bedingungen für die Kostenübernahme besagen, dass es sich um schulmedizinisch anerkannte, in der Apotheke erhältliche und ärztlich verordnete Arzneien handeln muss. Oder die Schulmedizin keine Lösung bietet und sich die Therapie in der Praxis bewährt hat. Bei einer stationären Behandlung gilt: Cannabis-Medzin darf auch für den Stationsbedarf verordnet werden. Die Patientenversorgung ist dabei über den Betäubungsmittelanforderungsschein gesichert.

In Deutschland erhältliche Cannabis flos Sorten

BEDROCAN INTERNATIONAL B.V. | Niederlande | Importeur ACA Müller ADAG*
Sorte Cannabis Bedrocan

*Pharma Vertriebs GmbH | Cannamedical GmbH | Cansativa GmbH | Fagron GmbH & Co. KG | Geca Pharma GmbH | Pedianos GmbH

 AURORA Cannabis Inc. | Kanada | Importeur KLENK GmbH & C. KG
PEACE NATURALS PROJECT INC. | KANADA | Importeur POHL-BOSKAMP
TWEED (Spectrum Cannabis) | Kanada | Importeur SPEKTRUM Cannabis GmbH
Sorte Cannabis Spektrum Blüten
AURORA Cannabis Inc. | Kanada | Importeur PEDIANOS
MEDRELEAF CORP. | Kanada | Importeur CANNAMEDICAL
Sorte Cannabis MedReleaf Cannamedical
TWEED INC. | Kanada | Importeur SPEKTRUM Cannabis GmbH
Sorte Cannabis Spektrum Cannabis

Cannabis Monographie sorgt für Therapie-Sicherheit

Das Gehalt und die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe kann bei Cannabis flos wie bei jedem Naturprodukt schwanken. Durch die Cannabis Monographie grenzt der Gesetzgeber die erlaubte Schwankungsbreite ein. Die Variabilität der Wirkstoffgehalte liegt angesichts der hohen therapeutischen Breite von Cannabisblüten im Toleranzbereich. Um bei der Varietät der Zusammensetzung sicher zu gehen, kann der Apotheker abklären, ob Änderungen bei einzelnen Sorten aufgetreten sind.